Nav Ansichtssuche

Navigation

fahrradlandSchon diese Woche könnten SPD, Grüne und FDP in Berlin einen Koalitionsvertrag für die nächgsten vier Jahre vorlegen. Der ADFC hat konkrete Forderungen an die neue Regierung, um die Verkehrswende voran zu bringen.

Die Erwartungen an die neue Bundesregierung sind hoch, vor allem im Klimaschutz wünschen sich viele Wähler*innen endlich effektive Maßnahmen. Auch der ADFC betont die Rolle, die den Emissionen im Verkehrssektor zukommt.

Noch diese Woche wollen die Ampel-Parteien der Öffentlichkeit einen Koalitionsvertrag vorlegen. Das teilten die Generalsekretäre von FDP und SPD, sowie der Bundesgeschäftsführer der Grünen vergangene Woche mit. Und man darf gespannt sein, ob sich die erste Dreierkoalition auf Bundesebene im Bereich der Verkehrspolitik ambitionierte Ziele setzt oder hinter den Erwartungen zurückbleibt.

Um die Klimaschutzziele im Verkehr zu erreichen, ist schnelles und entschlossenes Handeln notwendig. 

Mit dem Papier Fahrradland Deutschland hat der ADFC Ziele und Maßnahmevorschläge für den Koalitionsvertrag formuliert, um Klimaschutz und Verkehrswende voran zu bringen. Die Umsetzung des ADFC-Aktionsplans ist eines der wichtigen Konzepte zum Erreichen der Klimaschutzziele im Verkehrssektor, das innerhalb von zehn Jahren mit überschaubaren Mitteln vollständig umgesetzt werden kann. Die von der letzten Bundesregierung angegangenen Schritte sind ein Anfang, reichen aber bei Weitem nicht aus, um den Radverkehr große Schritte nach vorne zu bringen. Doch genau das ist für die Verkehrswende nötig.

Neben der grundlegenden Modernisierung des Straßenverkehrsgesetzes und einem tragfähigen Haushalt fordert der ADFC als wesentlichen Baustein außerdem die Aufnahme von Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit innerorts in die StVO.

T30 DemoInsbesondere die letztere Forderung kann mit relativ wenig Aufwand große Effekte erzielen. Das Umweltbundesamt (UBA) untersuchte 2016 die Wirkung von Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit innerorts. Dabei haben nach jetzigem Wissenstand die bestehenden Tempo 30-Regelungen an Hauptverkehrsstraßen überwiegend positive Auswirkungen.

Messfahrten in Berlin zufolge kann Tempo 30 zu einem besseren Verkehrsfluss als in Tempo-50-Abschnitten führen. Messungen in Frankfurt am Main, Freiburg im Breisgau und Zürich zeigten, dass Tempo 30 zu wahrnehmbaren Lärmentlastungen führen kann. Das ist zum einen eine Entlastung der Anwohnenden an den betroffenen Straßen, zum anderen trägt weniger Lärm zu höherer Aufenthaltsqualität bei. Laut dem UBA nehmen die Anwohnenden diese Geräuschreduzierung wahr und reagieren überwiegend positiv auf Tempo 30. Lärm ist keine Kleinigkeit: Dauerhafte Geräuschbelastungen verursachen gesundheitliche Langzeitfolgen, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und so ist die Einführung von Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit auch aus Gesungsheitsaspekten sinnvoll.

Auch in puncto Verkehrssicherheit kommt die Untersuchung der UBA zu einem Ergebnis. Bei Tempo 30 verkürzen sich sowohl der Reaktions- als auch der Bremsweg. Bei gleicher Bremsleistung ist der Bremsweg mit 50 km/h fast dreimal so lang wie bei Tempo 30. Zudem können Autofahrende bei niedrigen Geschwindigkeiten mehr Details des Verkehrsraumes wahrnahmen und so früher reagieren.

Auch die Unfallschwere nimmt mit geringeren Geschwindigkeiten ab. Eine Studie aus London untersuchte zwischen 1986 und 2006 die Auswirkungen von Tempo-30-Zonen auf Unfallzahlen und Unfallfolgen. Dabei zeigte sich, dass die Unfallzahlen um fast 42% zurückgingen. Auch die Zahl der Unfälle mit Todesopfern ging deutlich zurück: um 35%.

Unser Nachbar Niederlande führte bereits im letzten Jahr Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit innerhalb von Gemeinden und Städten ein. Neben der Reduktion der Verkehrsunfälle und der Anzahl Getöteter im Straßenverkehr war hier auch die Senkung von Lärmemissionen ein Aspekt für diesen Schritt. Angesichts der vorliegenden Studien und oben genannten Messungen in Tempo-30-Zonen sollte dieses Vorhaben gelingen.

Der ADFC arbeitet hart daran, dass auch die neue Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag diese Vorteile erkennt und entsprechende Maßnahmen einleitet. Doch noch steht über allem banges Warten: Wird Deutschland in den nächsten Jahren seine Investitionen in sichere Radverkehrsnetze deutlich aufstocken? Kommt Tempo 30? Wieviel Verkehrswende steckt im neuen Koalitionsvertrag?

Quellen:

Forderungspapier des ADFC zu den Koalitiosnverhandlungen

Untersuchung des UBA zu Tempo 30 an Hauptverkehrsstraßen

Londoner Studie: Grundy C, Steinbach R, Edwards P, Green J, Armstrong B, Wilkinson P et al. Effect of 20 mph traffic speed zones on road injuries in London, 1986-2006: controlled interrupted time series analysis BMJ 2009; 339 :b4469 (https://doi.org/10.1136/bmj.b4469)

Navigation

 

Anzeigen

Logo FFA

Kaufprämien für Lastenräder in Sachsen