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Torsten Schönebaum

Im vergangenen Jahr sind in Sachsen mehr als 15.000 Fahrraddiebstähle angezeigt worden. Die Polizei konnte allerdings nur etwa jeden achten dieser Fälle aufklären, nämlich knapp 1.900 oder 12,4 Prozent. Besonders in Leipzig und Dresden sind Fahrraddiebe aktiv – und werden kaum erwischt. Mit 6,2 beziehungsweise 8,9 Prozent waren die beiden Städte bei der Aufklärungsquote im vergangenen Jahr die sachsenweiten Schlusslichter. „Auf dem Land“ ist die Polizei deutlich erfolgreicher: So konnte sie im Muldentalkreis 35 Prozent aller angezeigten Fahrraddiebstähle aufklären.

Der deutliche Unterschied erkläre sich vor allem an der Typologie von Großstädten, meint Marko Laske von der Dresdener Polizei: Die Anonymität erleichtere den Dieben nicht nur die Tat, sondern reduziere auch das Entdeckungsrisiko beziehungsweise die Wahrscheinlichkeit, dass gestohlene Räder wieder aufgefunden werden. Vor allem gebe es aber auch mehr Tatobjekte und -gelegenheiten, zum Beispiel in der Umgebung der Universitäten.

Höhere Aufklärungsgruppe durch eigene Ermittlungsgruppe

Kreis bzw. kreis-
freie Stadt
Aufklärungs-
quote
Fahrrad-
diebstähle
Muldentalkreis 35,8% 489
Weißeritzkreis 31,6% 76
Plauen 24,1% 137

Torgau-Oschatz 9,3% 301
Dresden 8,9% 2334
Leipzig 6,2% 4560
Die jeweils drei sächsischen Kreise
bzw. kreisfreien Städte mit der
niedrigsten bzw. höchsten Aufklärungsquote
bei Fahrraddiebstählen 2007.
(Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik)

Ein Blick über den sächsischen Tellerrand zeigt, dass auch in einer Großstadt mit mehreren Hochschulen deutlich mehr Fahrraddiebstähle aufgeklärt werden können: Die Kriminalpolizei in Magdeburg hat durch die Einrichtung einer eigenen Ermittlungsgruppe die Aufklärungsquote auf gut ein Drittel steigern können. Inzwischen kümmern sich sieben Beamte ausschließlich um gestohlene Fahrräder.

In Dresden und Leipzig bleibt das ein Wunschtraum. In der Landeshauptstadt gebe es derzeit keine Anhaltspunkte, dass eine Ermittlungsgruppe sinnvoll wäre, meint Marko Laske. Das wäre sie nur, wenn ein oder mehrere Tatverdächtige für eine Vielzahl von Straftaten in Frage kämen – und dafür gebe es derzeit keine Hinweise. In Magdeburg ist das anscheinend anders: Die dortige Ermittlungsgruppe hat vor allem Intensivtäter im Auge, die immer wieder Fahrräder klauen.

Einbrüche in Autos sind wichtiger

Die Leipziger Polizei begründet die Absage an eine eigene Ermittlungsgruppe viel profaner: Gemessen an allen Straftaten werden schlicht zu wenig Räder geklaut, schreibt Sprecher Daniel Kapferer in einer E-Mail. In Leipzig seien 2006 genau sieben Prozent aller Straftaten Fahrraddiebstähle gewesen. Dagegen habe der Anteil an besonders schweren Diebstählen aus Kraftfahrzeugen 7,8 Prozent betragen. Darauf habe die Leipziger Polizei unter anderem mit der Bildung einer Einsatzgruppe BuNa (Buntmetall/Navigationsgeräte) reagiert. Für eine weitere Spezialisierung fehle schlicht das Personal. Allerdings: Auch die Leipziger Polizei konnte bisher kein festes Täterklientel wie in Magdeburg beobachten.

Ermittlungschancen selbst verbessern

Sowohl die Leipziger als auch die Dresdener Polizei bemängeln, dass gestohlene Fahrräder bei Kontrollen nur schlecht zu erkennen sind. Es fehlen eindeutige Erkennungsmerkmale, weil Rahmennummern von den Herstellern oft mehrmals vergeben werden, den bestohlenen Besitzern unbekannt und die Fahrräder meist nicht codiert sind. Je besser man sein Fahrrad bei einer Diebstahlsanzeige beschreiben kann, desto besser sind auch die Chancen, dass es der Polizei irgendwann ins Netz geht. Deswegen sollte man sich eine ausführliche Beschreibung des Fahrrads sowie Rahmen- und andere Teilenummern notieren, um sie im Fall der Fälle parat zu haben. Dabei kann auch eine Codierung mit einer eindeutigen Identifikationsnummer helfen, wie sie zum Beispiel die Dresdener Polizei und in Leipzig das „Netz kleiner Werkstätten“ anbietet.

Das Fazit bleibt – zumindest für die beiden großen sächsischen Städte – ernüchternd: Fahrraddiebe werden vermutlich auch weiterhin nur in seltenen Fällen erwischt werden, weil für eine bessere Ermittlungsarbeit der Polizei Ideen und Personal fehlen.

Torsten Schönebaum (27) arbeitet in Leipzig als Internetentwickler. In seiner Freizeit berichtet er auf rad-le.de regelmäßig über das Radfahren in seiner Heimatstadt.

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