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Seit einigen Jahren boomt der Radtourismus in Deutschland. Immer mehr Menschen entdecken das Fahrrad für sich: Genüsslich durch die Landschaft rollen, sich auf Berge hochkurbeln, Flusstäler genießen, und das alles aus eigener Körperkraft.

Am Beginn des Fahrradurlaubs steht für viele zunächst eine Bahnfahrt. Die Anreise mit der Eisenbahn hat für Radreisende gegenüber dem Auto einen entscheidenden Vorteil: Man muss mit dem Fahrrad nicht zum Startpunkt zurück, kann beliebig Strecken kombinieren und kommt mit der Kombination aus Bahn und Rad zum Schluss viel unkomplizierter durch die Lande, als wenn man sich immer noch Gedanken um sein Auto machen muss. Eigentlich.

Denn die Möglichkeiten zur Rad-Mitnahme in der Bahn sind begrenzt. Immer öfter heißt es für Bahnreisende mit Fahrrad: Hier kommt keiner mehr mit. In vielen Fernzügen werden inzwischen keine Fahrräder mehr mitgenommen. Dieser Trend passt so gar nicht zu der wachsenden Zahl von Fahrradurlaubern in Deutschland. Doch in manchen Regionen scheinen auch Verkehrsverbünde und Verkehrspolitiker etwas von dem Boom gehört zu haben.

Wie der Tagesspiegel berichtet, soll in Brandenburg auf bestimmten für Radtouristen bedeutsamen Linien ab 2015 ein Doppelstockwagen mitfahren, in dessen Unterdeck sich ein reines Fahrradabteil befindet. Auch im RE 3 zwischen Elsterwerda und Stralsund soll ab nächstem Sommer einer der fünf Doppelstockwagen im unteren Teil komplett für Fahrräder reserviert sein. Die Mehrkosten übernimmt dem Bericht zufolge das Land Brandenburg - aus wirtschaftlichem Eigeninteresse: Fahrradtourismus bringt Einnahmen.

In Sachsen ist ähnliches nach derzeitigem Kenntnisstand nicht zu erwarten. Der Anschlusszug vom RE 3 Richtung Dresden hat lediglich drei Waggons, regelmäßig kommt es zu Überfüllungen, nicht selten müssen Bahnreisende mit Rad dem abfahrenden Zug hinterhergucken, weil schlicht zu wenig Platz ist.

Hinzu kommt, dass auch das Umsteigen zwischen den beiden Regionalzügen in Elsterwerda kein Vergnügen ist: Um zum Anschlusszug zu gelangen muss man einen dunklen Tunnel unter den Gleisen durchqueren. Aufzüge oder Rampen für Kinderanhänger, Rollstühle oder Fahrräder sind nicht vorhanden. Die Szenen gleichen sich Wochenende für Wochenende, wenn vollbepackte Radtouristen, Familien und Senioren gegeneinander antreten, um einen Platz im Anschlusszug Richtung Dresden zu bekommen. Sicher könnte das Verreisen mit der Bahn mit wenig Aufwand um einiges komfortabler sein.

Stellt sich die Frage: Warum gibt es keine direkte Regionalexpress-Verbindung zwischen Dresden und Stralsund? Will DB Regio Südost (DB-Anbieter für Sachsen) keine Radtouristen als Kunden? Verfolgen die verschiedenen Verkehrsverbünde widersprüchliche Strategien? Ist die Strecke Dresden-Elsterwerda ein Einzelfall? Die Qualität der Fahrradmitnahme in den neuen Triebwagen auf der Strecke zwischen Dresden und Leipzig und die jüngst vom VMS bestellten Triebwagen, die ab 2016 auf der Strecke Dresden-Chemnitz-Hof eingesetzt werden sollen, lassen Defizite auch auf Seiten der Landespolitik erkennen. Denn es ist eine Aufgabe der Verkehrspolitik, klare Qualitätsanforderungen, beispielsweise zur Fahrradmitnahme, zu formulieren statt Bahnpolitik nur als Möglichkeit zum Geld sparen oder für vereinzelte Prestigeprojekte anzusehen.

Der ADFC Sachsen wird sich dafür einsetzen,dass zwischen Dresden und Stralsund wieder ein durchgängiger Regionalexpress verkehrt und die Qualitätssteigerung des Brandenburger RE 3 Stralsund-Elsterwerda auch auf dem Abschnitt zwischen Elsterwerda und Dresden nachvollzogen wird.

Artikel im Tagesspiegel: Zu wenig Platz in vollen Zügen.

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