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raddiebstahl iconTraurige Statistik: Aufwärtstrend bei den Fahrraddiebstählen, Abwärtstrend bei der Aufklärungsquote

Seit einigen Wochen beschäftigt der Fahrradgate Medien, Politik und Gesellschaft in Sachsen. Der Innenminister steht unter Druck. Was dabei etwas in den Hintergrund gerückt ist: Seit Jahren ist die Zahl gestohlener Fahrräder im Freistaat Sachsen hoch, dabei steigt auch der Wert der gestohlenen Fahrräder.

Zwischen 2016 und 2019 hat der durchschnittliche Kaufpreis von Neufahrrädern, nicht zuletzt durch die steigende Beliebtheit von E-Bikes, um etwa 50% auf inzwischen 982 € zugelegt (Quelle: ZIV). Damit steigt auch der Wert des erbeuteten Diebesgutes, denn die Zahlen gestohlener Räder in Sachsen sind im gleichen Zeitraum gleichbleibend auf hohem Niveau: 2019 wurden rund 21.000 Diebstähle gemeldet (Quelle: LKA). Keine positive Entwicklung gegenüber dem Bericht des ADFC Sachen aus dem Jahr 2015.

Bei Pkw hingegen ist die Zahl der Fälle im selben Zeitraum deutlich gesunken: von 2.190 in 2016 auf 1.418 im letzten Jahr (Quelle: LKA). Wenn man bei Fahrrädern wie bei PKW davon ausgeht, dass der Fahrzeugwert zum Diebstahlzeitpunkt ungefähr die Hälfte des Neupreises beträgt, so bewegt sich die Schadenssumme inzwischen in einem vergleichbaren Bereich von jährlich etwa 10 Mio. Euro. Unabhängig von Geldwerten ist der tatsächliche Schaden noch deutlich größer, da es mehr Diebstahlopfer gibt, die für ihre täglichen Wege auf das Fahrrad angewiesen sind und plötzlich ohne ein solches dastehen.

Unter diesem Gesichtspunkt verwundert es, dass der Fahrraddiebstahl bei der polizeilichen Aufklärung noch immer eher stiefmütterlich behandelt wird. Mit der "SoKo Kfz" sowie gemeinsamen Fahndungsgruppen hat die Polizei bei der Aufklärung von Pkw-Diebstählen messbare Erfolge erringen können. Die Aufklärungsquote konnte innerhalb von zehn Jahren von unter 20% auf inzwischen über 30% gesteigert werden.

Davon ist man im Bereich des Fahrraddiebstahls noch ein ganzes Stück entfernt. Im Gegenteil: Die Aufklärungsquote sinkt. Zudem sind hier die Zahlen sehr ungleich verteilt. Im Schnitt lag die Aufklärungsquote in Sachsen 2019 bei 11,6% (2014: 13,9%). Die weniger dicht besiedelten Landkreise liegen über dem sächsischen Schnitt, die Großstädte - mit Chemnitz als positiver Ausnahme - eher darunter. Schlusslicht ist hier die Diebstahlhochburg Leipzig mit lediglich 7,7% (2014: 11,8%). Hier sollten die Polizeidirektionen wie bei der Pkw-Fahndung in engerem Austausch stehen. Was hilft zum Beispiel eine eigene Leipziger Fahrrad-Datenbank, wenn Polizisten aus anderen Regionen diese im Gegensatz zur deutschlandweit einheitlichen FEIN-Codierung beim Auffinden gestohlener Räder nicht nutzen können?

Naturgemäß sind Fahrräder leichter geklaut als Autos und, besonders in Einzelteilen, auch schneller wieder zu Geld zu machen. Deshalb wird von ADFC, Polizei und Versicherungen stets empfohlen, das Fahrrad mit einem hochwertigen Schloss nicht nur ab-, sondern möglichst auch an einem festen Gegenstand anzuschließen.

Oftmals ist das aber leichter gesagt als getan, denn sichere Abstellmöglichkeiten an öffentlichen Einrichtungen sind meist Mangelware, was an diesen Stellen zu erhöhten Diebstahlquoten führt. Nicht umsonst hat der ADFC Sachsen kürzlich eine viel beachtete Studie zum Fahrradparken an allen sächsischen Bahnhöfen veröffentlicht. Darin findet man nicht nur, an welchen Stellen es besonders hapert, sondern auch Richtwerte und Empfehlungen zu Anzahl und Art sicherer Abstellanlagen.

Festzuhalten bleibt: Damit mehr Menschen sicher Fahrrad fahren können, braucht es neben sicheren Verkehrswegen auch mehr Sicherheit für das Fahrrad selbst. Wenn die Polizei Sachsen nicht künftig bei der Verfolgung von Fahrraddiebstählen deutlich stärkere Anstrengungen unternimmt, wird auch die Kriminalität weiterhin genauso boomen wie die Fahrradnutzung.

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