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Freistaat hängt beim Radwegebau an Staatsstraßen in ganz Sachsen hinterher

Zum Radweg-Bahnübergang bei Gelenau, der nun schon seit zehn Jahren ohne Radwege in der Landschaft steht, schaltet sich auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) ein.

„Die Radweg-Posse in Gelenau steht stellvertretend für das Tempo, mit dem der Ausbau des Radwegenetzes in Sachsen vorangeht.“ sagt Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen. Schon seit einigen Jahren verfolgt der ADFC den Planungsprozess an der Staatsstraße 95. Die Stelle am Bahnübergang in Gelenau ist bei Anwohnern bekannt für schwere Unfälle. Erst im März dieses Jahres war hier ein Auto bei Tempo 200 schwer verunglückt.

„Besonders ärgerlich ist der fehlende Radweg vor allem für die Leute vor Ort. Pendler, Schulkinder und Rentner müssen sich die gefährliche Staatsstraße mit dem motorisierten Verkehr teilen. Sie riskieren ihr Leben wegen des schleppenden Planungsprozesses. Dass die Planungsprozesse sich so in die Länge ziehen ist schlicht unverantwortlich." ist Krause empört.

„Der Bahnübergang in Gelenau ist außerdem auch ein Mahnmal für die fehlenden Planungskapazitäten beim Radwegebau in Sachsen. Minister Dulig muss bei der Radwegeplanung in Sachsen endlich einen Zahn zulegen." so der ADFC-Geschäftsführer.

Hintergrund

Der Bahnübergang bei Gelenau kam letzte Woche erneut in die Schlagzeilen. Die Schrankenanlage in Gelenau fand 2020 einen Platz in der jedes Jahr erscheinenden Verschwendungsliste des Bunds der Steuerzahler. Bereits 2016 hatte der Steuerzahlerbund das Projekt kritisiert, bis heute ist der Bahnübergang nicht an den Radweg angeschlossen worden. Auch der ADFC ist seit vielen Jahren bemüht, die Bürger vor Ort zu unterstützen und die Fertigstellung des Radwegs an der S 95 zu beschleunigen.

An der Staatsstraße zwischen Pulsnitz und Kamenz sieht die Radverkehrskonzeption des Freistaates mit der höchsten Pritorität den Bau eines Radwegs vor. Zwischen Gersdorf und Pulsnitz wurde der straßenbegleitende Radweg bereits fertiggestellt. Für Radfahrende ist der Abschnitt zwischen Gersdorf und Kamenz zurzeit jedoch sehr gefährlich, da sie gezwungen sind hier auf der stark befahrenen Staatsstraße zu fahren. Eine Verkehrszählung aus dem Jahr 2015 ergab, dass in diesem Abschnitt der S 95 eine hohe vierstellige Anzahl an Kraftfahrzeugen unterwegs ist. Auf der S 95 beträgt die zulässige Höchstgeschwindigkeit fast durchgängig 100 km/h. In vielen Fällen überholen Kfz die Radfahrenden viel zu knapp, sodass diese enorm gefährdet sind.

Den Radweg zwischen Gelenau und Kamenz fordern auch Anwohner und eine Bürgerinitiative schon seit Jahren. Das Projekt steht exemplarisch für die zähen Planungsprozesse beim Radwegebau an sächsischen Staatsstraßen. Während im Bundesdurchschnitt 26% der Landstraßen über einen Radweg verfügen, sind es in Sachsen lediglich 11%.

Auch das Radverkehrskonzept des Freistaats stellt fest: Beim Radwegebau an Staatsstraßen besteht Nachholbedarf. Sachsen hat sich deshalb in seiner Radverkehrskonzeption das ambitionierte Ziel gesetzt, bis 2025 noch rund 500 Kilometer Radwege an Staats- und Bundesstraßen zu bauen, also 100 Kilometer pro Jahr. Bisher ist noch zu wenig passiert: 2018 kamen an Staatsstraßen lediglich 5 neue Kilometer Radwege hinzu, im Jahr davor 8 Kilometer. Auch stehen für den Radwegebau an sächsischen Staatsstraßen bislang lediglich 4 Millionen Euro pro Jahr bereit. Das reicht in etwa für den Neubau von rund 13 Kilometern Radweg pro Jahr.


Link zum neuen Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler: https://documentcloud.adobe.com/link/review?uri=urn:aaid:scds:US:5f044b6e-a280-4935-bb63-94b8e491e88a#pageNum=1
Link zur Radverkehrskonzeption des Freistaates: https://www.radverkehr.sachsen.de/5700.html

Nach dem Verkehrsunfall auf der S 44 am Montag, bei dem ein 85-jähriger Radfahrer sein Leben verlor, zeigen sich auch die Aktiven des ADFC Sachsen bestürzt. Der Rentner war gezwungen auf der viel frequentierten Straße zu fahren, da an der S 44 ein Radweg fehlt. Bereits seit Jahren fordern Schulen, Vereine und auch Leisnigs Bürgermeister Tobias Groth den Bau eines Radwegs entlang der Staatsstraße. Doch Sachsens Verkehrsminister Martin Dulig erteilte dem Projekt im Frühjahr 2018 eine Absage. Der Radewg sei nicht nötig, so das Urteil des zuständigen Sächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA) in Dresden.

„Es wurde im Ministerium nie ernsthaft geprüft, ob ein Radweg gebaut werden kann. Die Bitten der Anwohner und Schulen wurden schlicht ignoriert. Das rächt sich jetzt bitter.“ zeigt sich Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen, erschüttert.

Der Abschnitt der S 44 zwischen Leisnig und Brösen wird in der Radverkehrskonzeption des Freistaates unter Priorität C geführt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass kein Bedarf für einen Radweg besteht. Stattdessen wurde bei Abschnitten dieser Kategorie schlicht noch nicht geprüft, ob ein Radweg überhaupt erforderlich ist.

"Der Freistaat hinkt beim Radwegebau seit Jahren hinter den Bedürfnissen der Bürger her. Sachsens Staatsregierung muss sichere Radwege endlich zu ihrer Chefsache machen. Hier geht es um den Schutz von Leib und Leben. Da sehe ich auch Ministerpräsident Kretschmer in der Verantwortung" sagt der ADFC-Geschäftsführer.

Die S 44 ist keineswegs ein Einzelfall, wie Recherchen des ADFC ergeben haben. Nur 11% von Sachsens Staatsstraßen sind überhaupt mit einem Radweg ausgestattet. "Obwohl das Problem schon vor Jahren erkannt wurde, kann man das Radwegenetz an ortsverbindenden Straßen eigentlich nicht als solches bezeichnen. Es besteht vor allem aus Lücken." sagt Konrad Krause.

 

Hintergrund

Leisnigs Bürgermeister Tobias Groth und die Leisniger Stadträte kämpfen seit Jahren für einen Radweg an der S 44. Dieser ist nicht nur für Schüler auf ihrem täglichen Weg dringend notwendig, sondern auch für die ansässigen Vereine. Rückhalt erhielten die Intiviativen 2018 vom jetzigen Umweltminister Wolfram Günther.

Beim Radwegebau an Staatsstraßen geht es in Sachsen nur im Schneckentempo voran. Auch das Radverkehrskonzept des Freistaats stellt fest: Beim Radwegebau an Staatsstraßen besteht Nachholbedarf. Sachsen hat sich deshalb in seiner Radverkehrskonzeption das ambitionierte Ziel gesetzt, bis 2025 noch rund 500 Kilometer Radwege an Staats- und Bundesstraßen zu bauen, also 100 Kilometer pro Jahr. Bisher ist noch zu wenig passiert: Nur 11 % sind mit einem Radweg ausgestattet. In den letzten Jahren sind nur wenige Kilometer hinzugekommen.

Das liegt zum einen am Geld. Im letzten Doppelhaushalt standen für den Radwegebau an Staatsstraßen lediglich 4 Millionen Euro bereit. Das reicht theoretisch gerade einmal für rund 13 Kilometer Radweg pro Jahr.

Erst jüngst landete Sachsen beim Bundesländerindex Mobilität&Umwelt in der Kategorie "Verkehrssicherheit" auf dem letzten Platz. Auf 1 Mio. Einwohner kamen auf Sachsens Straßen letztes Jahr 1.005 Schwerverletzte. Der Freistaat ist damit Schlusslicht in Deutschland.

 

Eine Auswahl tödlicher Rad-Unfälle an Staatsstraßen in Sachsen ohne Radweg

2. 11. 2020: Ein 85-jähriger Mann wird beim Aufprall eines Pkw auf der S 44 bei Brösen angefahren und stirbt. Ein Radweg fehlt an der Staatsstraße.

15.10.2020: Beim Überholen kommt es zum Zusammenstoß zwischen einem Pkw und einer 84-jährigen Radfahrerin auf der S 24 in Sitzenroda. Die Radfahrerin stibt.

24.06.2020: Auf der S 37 bei Mügeln rammt ein Pkw-Fahrer einen 64-jährigen Radfahrer beim Abbiegen. Ein Radweg ist an der Staatsstraße nicht vorhanden. Der Radfahrer stirbt.

23.09.2019: In Schweikershain erfasst ein Pkw einen 80-jährigen auf der Staatsstraße 200 Richtung Mittweida. Der Mann stirbt.

Finanziert aus Mitteln des Strukturstärkungsgesetzes für die Kohleregionen sollte eome 70 km lange "Lausitzmagistrale" die Autobahnen A 4 und A 15 verbinden. Kritiker des Projekts wiesen schon seit längerem darauf hin, dass für das Großprojekt kein Bedarf bestehe. Wie die Sächsische Staatsregierung am 23. Oktober bekanntgegeben hat, sieht inzwischen auch der Freistaat für die Route aus umweltfachlicher, wirtschaftlicher und verkehrlicher Sicht keine Grundlage mehr.

Damit werden erhebliche finanzielle Mittel frei: 410 Mio. Euro waren für das gewaltige Projekt veranschlagt. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Sachsen möchte die bisher für die B 178 verplanten Mittel aus dem Strukturstärkungsgesetz in moderne, vernetzte und sichere Radverkehrsverbindungen investieren.

"Ich freue mich, dass der Freistaat bei der B 178 nun die Reißleine gezogen hat. Bis 2025 möchte die Koalition in Dresden den Anteil des Radverkehrs in Sachsen verdoppeln. Das ist sehr ambitioniert, weshalb die frei werdenden Mittel unbedingt für dieses Ziel eingesetzt werden sollten" sagt Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen.

Rechnerisch könnten von den 410 Mio. Euro mehr als 1.300 km Radwege neben Bundes-, Staats-oder Kreisstraßen gebaut werden. Das entspräche nahezu einer Verdoppelung des aktuellen Radwegenetztes aller Kreis-, Staats- und Bundesstraßen im gesamten Freistaat. Der ADFC schlägt vor, dass die Mittel nun verstärkt in Radverkehrsprojekte in den sächsischen Kohleregionen investiert werden. Insbesondere sieht der Fahrradverband den Bedarf im beschleunigten Bau von Radwegen an Bundesstraßen sowie in einem Programm zur Vernetzung von Bahn und Radverkehr.

"Gerade im ländlichen Raum ist doch ein Mangel an autobahnartigen Bundesstraßen wirklich nicht das Problem. Viel größer sind die Probleme einfachster Basismobilität, weil man mit dem Rad nicht sichervon Ort zu Ort kommt. Oft sind Menschen auf dem Weg zu Arbeit, Schule oder EInkauf auch für sehr kurze Strecken auf das Auto angewiesen, weil eine sichere Radverbindung ins Nachbardorf schlicht fehlt."

"Der Freistaat will junge und gut ausgebildete Menschen in die Lausitz locken. Längst sind lückenlose und sichere Radverkehrsnetze ein ernstzunehmender Standortfaktor. Die Vorstellung, dass man als qualifzierte Fachkraft seine Kinder mit dem Auto zur Schule und zum Sport fahren muss und auch selbst nicht mit dem Rad zur Arbeit kommt, wirkt auf junge Hochschulabsolventen einfach abschreckend."

Der Weg zu einem dichten Radwegenetz scheitert in Sachsen vielerorts an Planungskapazitäten und der Finanzierung: Lediglich 28 % der Bundesstraßen in Sachsen verfügen aktuell über einen Radweg. Bundesweit liegt dieser Wert bei über 40 %. Nur 11 % von Sachsens Staatsstraßen verfügen aktuell über einen Radweg. Damit rangiert Sachsen bundesweit auf den letzten Plätzen.

Der ADFC möchte die Lausitz zu einer führenden Radregion in Deutschland entwickeln, wofür große Anstrengungen beim Ausbau des touristischen Radwegenetzes erforderlich sind. Auch im Bereich des Alltagsverkehrs sieht der ADFC den Kohleausstieg als Chance für modernen und vernetzten Radverkehr. Ein sicheres und lückenloses Radwegenetz kann die Lebensqualität ländlicher Regionen reheblich steigern und ist ein entscheidender Baustein für eine erfolgreiche Regionalentwicklung nach dem Kohleausstieg.

Hintergrund

Am vergangenen Freitag kündigte die Sächsische Staatsregierung an, den Neubau der Bundesstraße 178n nicht weiter zu verfolgen. Die Machbarkeitsstudie zur B 178n konnte weder nachweisen, dass das Verkehrsaufkommen eine neue Straße rechtfertigen würde, ebenso wurde die Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit des Projekts als "nicht darstellbar" bezeichnet.

In den sächsischen Braunkohleregionen wünschen sich schon jetzt 59% ein stärkeres Engagement für sicheren Radverkehr. Etwa 60% fühlen sich bei ihren Wegen auf dem Rad gefährdet. Sogar 70% der Befragten gaben an, dass sie selbst größere Kinder nicht mit gutem Gewissen allein Rad fahren lassen.

Dies zeigt der Fahrradklima-Test des ADFC, der 4.200 Personen in den sächsischen Kohlegebieten befragte.

Für die Lausitz fordert der ADFC eine beschleunigte Umsetzung des Radwegebaus an Bundesstraßen. Das betrifft ca. 40 km Neubaustrecke im Landkreis Bautzen und ca. 20 km Radwege im Landkreis Görlitz. An den Bahnhöfen in der Lausitz hat der ADFC der Sächsischen Staatsregierung einen Ausbauplan für Fahrradstationen mit einem Investitionsvolument von ca. 9 Mio. Euro vorgelegt. Weitere 15 Mio. sollten laut ADFC in den Bau einer hochwertigen touristischen Radverbindung vom Elberadweg in die Lausitz investiert werden, um die radtouristischen Potentiale zwischen Elbe und Neiße besser zu erschließen.

Quellen
- Pressemitteilung des SMWA: https://www.medienservice.sachsen.de/medien/news/242146
- Fahrradklima-Test (2018) adfc-sachsen.de/fahrradklima  
- Junge Menschen nutzen häufiger das Rad: SrV (2018): https://tu-dresden.de/bu/verkehr/ivs/srv/ressourcen/dateien/SrV2018_Ergebnispraesentation.pdf?lang=de

ADFC Sachsen kritisiert Abstimmungsverhalten der Sächsischen Staatsregierung

Zur missglückten Abstimmung über die Reparatur der StVO-Novelle im Bundesrat am Freitag sagt Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen heute:

"Ich halte es für einen unglaublichen Vorgang, dass ausgerechnet die Grünen Radfahrer und Fußgänger zu Geiseln für ihre politischen Spielchen machen. Denn diese beiden Gruppen sind es, die von der Novelle der StVO im Frühjahr am meisten profitiert hatten. Nie darf die Sicherheit der schwächsten Verkehrsteilnehmer zum Gegenstand für politische Pokerspiele werden. Genau das aber ist heute im Bundesrat passiert. Dafür tragen die Grünen die politische Verantwortung!"

Krause kritisiert auch das Abstimmungsverhalten Sachsens im Bundesrat. Der Vertreter des Freistaats, Sachsens grüner Umweltminister Wolfram Günther, hatte sich bei den Vorschlägen für eine Reparatur der StVO-Novelle enthalten. Auch wegen seiner Enthaltung könnte die Einigung über eine endgültige Fassung der StVO zu einer unabsehbaren Hängepartie werden und die Neuregelungen im Bußgeldkatalog letztlich sogar kippen.

"Wir hätten erwartet, dass sich Sachsens Landesregierung auf ein konstruktives Abstimmungsverhalten im Bundesrat einigen kann und dass bei ein so wichtiges Thema wie der Verkehrssicherheit nicht einem völlig absurden parteipolitischen Scharmützel geopfert wird. Wenn es um die verkehrssicherheit geht, darf es keine Enthaltung geben!" so Krause abschließend.

 

Hintergrund

Durch einen Formfehler in der novellierten Straßenverkehrs-Ordnung fallen derzeit auch die Bußgelder für gefährdendes Verhalten gegenüber Radfahrenden zurück auf das Niveau vor der Reform. Der Fahrradclub ADFC appelliert dringend an das Bundesverkehrsministerium und die Landesregierungen, die Debatte um Fahrverbote für Raser gesondert zu führen – und die Verbesserungen für den Radverkehr unverzüglich wieder in Kraft zu setzen.

Die Ende April in Kraft getretene neue Straßenverkehrsordnung nebst angeschlossenem Bußgeldkatalog hatte zahlreiche Verbesserungen für den Radverkehr gebracht, für die der ADFC lange gekämpft hat. So wurde erstmals ausdrücklich festgelegt, dass Autofahrende beim Überholen von Radfahrenden mindestens 1,50 Meter Sicherheitsabstand halten müssen. Die Bußgelder für das Zuparken von Radwegen wurden auf bis zu 100 Euro deutlich erhöht, das Halten auf Schutzstreifen wurde ausdrücklich verboten. Auch das Abbiegen und Autotür-Öffnen ohne Schulterblick wurde verteuert.

Ein Dissens über die Höhe der Sanktionen bei Geschwindigkeitsüberschreitungen und ein übersehener Paragraf im Vorspann drohen jetzt, eine Einigung der StVO zu einer endlosen Hängepartie werden zu lassen.

Zum Videomitschnitt der Bundesratssitzung vom Freitag: https://www.bundesrat.de/DE/plenum/bundesrat-kompakt/20/993/993-node.html

Sie sind vielseitig einsetzbar, vom Kindertransport bis zum Großeinkauf im Baumarkt: Transporträder sind die Trendmobile der Fahrradbranche und auch im Straßenbild deutscher Städten immer öfter zu sehen. Mittlerweile können in Sachsen 23 so genannte freie Lastenräder kostenlos gebucht werden, die meisten bietet der ADFC an.

Nicht nur bei der Zustellung von Post und Päckchen spielen die umweltfreundlichen Transporter eine wachsende Rolle. Sie sind in ganz unterschiedlichem Auftrag unterwegs: Vom Imker bis zum Theaterprojekt gibt es unzählige Dienstleistungen und Ideen, die mit einem Lastenrad preiswerter, praktischer und einfacher funktionieren. Besonders auf kurzen Strecken sind die zwei- oder dreirädrigen Alleskönner im städtischen Raum unschlagbar. Mit Elektroantrieb können Transporträder Autos sogar auf längeren Strecken ersetzen und komplett überflüssig machen. Wer die Vorzüge der CO2-neutralen Transporter ausprobieren möchte, für den sind Freie Lastenräder ein interessantes Angebot.

„Seit einigen Jahren betreibt der ADFC in Sachsen mehrere Sharing-Initiativen, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Viele Menschen wollen einmal eine Fahrt mit dem Lastenrad ausprobieren und sind auf der Suche nach einer Transportalternative zum Auto.“ Sagt Konrad Krause, Geschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club Sachsen (ADFC).

In Dresden erfüllt seit März 2016 die Lastenrad-Initiative „Frieda und Friedrich“ diesen Zweck. Die insgesamt 16 Räder können in der ganzen Stadt ausgeliehen werden. Als Verleihstationen fungieren Fahrradläden, Bio-Märkte, ein Baumarkt und ein Sportgeschäft in der Dresdner Innenstadt und in Radebeul. LARA heißt das Verleih-Angebot des ADFC Leipzig mit drei Lastenrädern im Angebot. Auch in Chemnitz bietet der ADFC zwei Lastenräder zum Verleih. Carlos und Karli sind zwei besondere und eher seltene Exemplare, beide mit einem Elektromotor zur Unterstützung. Auch in Bischofswerda stehen zwei Lastenräder zur freien Nutzung zur Verfügung.

Die Sharing-Initiativen werden auf kostenloser Basis angeboten, eine freiwillige Spende ist jedoch gerne gesehen – für die Wartung und Instandhaltung der Räder und den organisatorischen Aufwand.

Bei freien Lastenrädern üblich: Jedes Rad hat einen eigenen Namen. Auch sonst unterscheiden sich die Räder voneinander. Ob das Fahrrad zwei oder drei Räder hat, ob der Fahrer auf einen Elektroantrieb zurückgreifen kann und wie viel Zuladung möglich sind: „Die Auswahl an unterschiedlichen Rädern ist inzwischen sehr groß.“

Meist kann ein Lastenrad ohne Elektroantrieb bis zu 100 kg transportieren. Manche Räder mit elektrischer Unterstützung transportieren sogar deutlich mehr. Besonders fantasievoll tritt die „Generationenrikscha“ ins Bild, ausgestattet mit Anschnallgurten, einem Baldachin und einem Geländer zum besseren Einsteigen. Das Dresdner Verleihangebot „Frieda und Friedrich“ stellt dieses ganz besondere Vehikel zur Verfügung, welches auch weniger mobile und ältere Personen ermöglicht, einen Rad-Ausflug zu machen.

Warum Cargo Bikes?

Lastenräder sind vielseitig einsetzbar: Ob für den Kindertransport, den Einkauf oder den kleinen Umzug. Die Idee dahinter: Mehr Menschen eine umweltfreundliche Alternative jenseits von Stau und Auto aufzeigen und dabei Städte für Menschen gestalten, in denen nicht alle Straßen von Autos zugeparkt werden, und in denen eine gesteigerte Luftqualität und eine geringere Klimabelastung herrschen.

So viele neue Mitglieder wie noch nie. Zu diesem Ergebnis kommt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Sachsen in seiner Zwischenbilanz des Jahres 2020. Seit Januar konnte der ADFC Sachsen 789 neue Mitglieder begrüßen. In vorangegangen Jahren wuchs der sächsische Fahrrad-Club dagegen in einem ganzen Jahr um 400-500 Mitglieder. Mit  aktuell 7358 Mitgliedern ist der ADFC Sachsen einer der größten eingetragenen Vereine in Sachsen.

Die größten Ortsgruppen sind dabei Dresden (4.154 Mitglieder, Zuwachs von 435 seit 1. Januar), Leipzig (1.670, +185) und Chemnitz (517, +66).

"Radfahren liegt im Trend, nicht erst seit Corona. Immer mehr Menschen entscheiden sich für das Fahrrad als gesundes, kostengünstiges und umweltfreundliches Transportmittel für alltägliche Wege und in der Freizeit. Mit der Corona-Pandemie hat sich diese Entwicklung noch einmal verstärkt. Wir haben einen enormen Zuwachs bei der Nutzung des Fahrrads im Alltag und auch die Zahl der Radtouren und Radurlaube geht gerade durch die Decke." berichtet Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen.

"Doch schon seit Jahren klemmt in Sachsen der Ausbau sicher nutzbarer Radinstrastruktur. Die Menschen wollen mehr mit dem Rad unterwegs sein, aber sie wollen zum Schluss natürlich heil wieder zuhause ankommen. Diese riesige Lücke zwischen Erwartung und Realität ist der Grund, warum immer mehr Leute den ADFC als starke Stimme für das Fahrrad unterstützen." sagt Krause. "Von der Verkehrspolitik erwarten die Menschen keine Märchen von selbstfahrenden Autos oder Flugtaxis, sondern lückenlose und sichere Radwegenetze."

Auch in den Städten und Gemeinden müsse das Thema ernster genommen werden. Mehr Einsatz für sichere Radinfrastruktur sei das Gebot der Stunde. Bei beengten Straßenverhältnissen stelle sich immer wieder die Frage: "Parkplätze oder Radweg?" Diese werde nur in seltenen Fällen zugunsten des Radwegs beantwortet. Mit Blick auf mehrere tödliche Unfälle in den vergangenen Monaten findet Krause: "Es muss endlich Schluss sein mit halbherzigen Lösungen und Verzögerungen. Wir können mit dem Ausbau des Radwegenetzes nicht immer erst warten, bis wieder ein Radfahrer tödlich verunglückt ist." Deshalb geht der ADFC auch 2020 unter dem Motto "Mehr Platz fürs Rad" auf die Straße und weist auf Lücken und Gefahrenstellen im Radwegenetz hin.

 

Über den ADFC

Bundesweit hat der ADFC knapp 200.000 Mitglieder. Das durchschnittliche ADFC-Mitglied in Sachsen ist 46 Jahre alt, 37% aller sächsischen ADFC-Mitglieder sind jünger als 40 Jahre. Der Verein setzt sich vor Ort für eine fahrradfreundliche, sichere und komfortable Verkehrsplanung ein. 2019 organisierte der ADFC in Sachsen über 300 Radtouren mit rund 4.500 Teilnehmenden. Außerdem berät der Fahrradclub zu technischen Fragen rund ums Fahrrad.

ADFC-Mitglieder profitieren darüber hinaus von der 24h-ADFC-Pannenhilfe fürs Rad, die im Fall einer Havarie Rad und Fahrer unter die Arme greift. Falls die Panne nicht vor Ort behoben werden kann, bringt die ADFC-Pannenhilfe das Rad bis zur nächsten Werkstatt. Des Weiteren zeichnet der ADFC fahrradfreundliche Übernachtungsmöglichkeiten mit dem Bett+Bike-Zertifikat aus. In Sachsen gibt es derzeit fast 200 Bett+Bike-Unterkünfte.

Eine Einzelmitgliedschaft im ADFC kostet 56€ jährlich, der Mitgliedsbeitrag für unter 27-jährige liegt bei 33€. Darüber hinaus bietet der ADFC Haushalts- und Familienmitgliedschaften an für 68€ Jahresbeitrag an.

 

Weitere Informationen:

Zur ADFC-Pannenhilfe: www.adfc.de/artikel/die-adfc-pannenhilfe

Zu Mitgliedervorteilen des ADFC: www.adfc.de/sei-dabei

Zum Projekt Bett+Bike: www.bettundbike.de

Zum Projekt fahrradfreundlicher Arbeitgeber: www.fahrradfreundlicher-arbeitgeber.de

ADFC fordert: Innenminister Wöller muss jetzt die Reißleine ziehen

Die Fahrrad-Datenbank der Polizeidirektion Leipzig wird nicht regelmäßig mit neuen Einträgen befüllt. Dies zeigen aktuelle Recherchen des MDR. Bürger, die ihre Räder in Leipzig registrieren lassen, können nicht damit rechnen, dass die Registrierungen zeitnah in die Datenbank der Polizei eingepflegt werden, damit diese im Fall eines Diebstahls schneller zugeordnet werden können. Die Polizeidirektion räumte ein, dass es aufgrund personeller Engpässe deutliche Verzögerungen gibt. Darüber hinaus bestehen wohl technische Probleme bei der Eintragung in die Datenbank. Jene Datenbank wird aber ohnehin nur von der Polizeidirektion Leipzig genutzt. Außerhalb ihres Gebietes findet die Datenbank keine Anwendung.

Janek Mücksch, Vorstandsmitglied des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Sachsen, kritisiert das Verfahren der Polizei Leipzig: „Bei dem Leipziger Modell der Fahrradregistrierung handelt es sich um eine Insellösung. Sie wird nur in Leipzig genutzt. Es ist äußerst zweifelhaft, dass Polizisten in anderen Teilen der Republik gestohlene Räder aus Leipzig zurückverfolgen können.“ Dabei existieren dezentrale Lösungen wie die EIN-Codierung, bei der ein individualisierter Code am Rad dauerhaft mit einer Nadel eingeprägt wird. Dieses Verfahren ist bundesweit bei Verkehrswachten, Polizeieinheiten und zivilgesellschaftlichen Akteuren akzeptiert. Vor allem in Hessen, aber auch in Brandenburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern wird dieses Verfahren bereits erfolgreich praktiziert. „Das Leipziger System ist veraltet und höchst unsicher. Innenminister Wöller muss jetzt die Reißleine ziehen und ein modernes Verfahren in der Polizeidirektion Leipzig etablieren. Anders ist dem Problem des Fahrraddiebstahls in Leipzig nicht beizukommen“ sagt Mücksch.

Anders als viele Polizeidirektionen bundesweit arbeitet die Polizei Leipzig auch mit Aufklebern anstelle von Nadelcodierungen. Um diese Aufkleber zu entfernen, ist nur wenig kriminelle Energie notwendig. Der ADFC empfiehlt daher, statt des Aufklebers eine Nadelcodierung zu verwenden, da ein solcher Code sich nicht mehr entfernen lässt.

Hintergrund:

Bei der EIN-Codierung wird das Fahrrad mit einer Signatur gekennzeichnet, die in verschlüsselter Form die Wohnadresse und die Initialen des Besitzers enthält. Mithilfe des Codes kann die Polizei innerhalb von Sekunden ohne eine Datenbankabfrage die Adresse des Eigentümers ermitteln. Da die Codierung auch mit dem aktuellen Jahr versehen wird, sind Umzüge oder Namensänderungen kein Problem. Der individuelle Code wird mit einer Nadel in den Rahmen geprägt. Ein durchsichtiger Aufkleber schützt anschließend vor Korrosionen.

Leipzig gilt als Hochburg des Fahrraddiebstahls. Rund die Hälfte der angezeigten Fahrraddiebstähle im Freistaat Sachsen findet in der Messemetropole statt. 2019 wurden in Sachsen 21.021 Fahrraddiebstähle zur Anzeige gebracht, 12.084 davon im Gebiet der Polizeidirektion Leipzig. Während die Aufklärungsquote sachsenweit bei 11,6% liegt, beträgt die Quote in Leipzig nur 7,7%. Alle sächsischen Landkreise sowie Dresden und Chemnitz weisen bessere Erfolgsquoten auf. Der ADFC geht davon aus, dass die Dunkelziffer um ein Vielfaches größer ist.

 

Weitere Informationen:

Recherche-Ergebnisse des MDR vom 19. Juli

Informationen zur FEIN-Methode

Darstellung der FEIN-Methode in einem Video

Code-Generator des FEIN-Codes

ADFC erfreut: Streifenwagen der Polizei weisen nun auf den Mindestabstand von 1,50 Metern hin

Seit heute machen Aufkleber auf den Streifenwagen der Polizei Dresden auf den Mindestabstand beim Überholen von Radfahrenden aufmerksam. Die Kampagne sensibilisiert für sichere Überholmanöver im Straßenverkehr. Außerdem führte die Polizei heute in Begleitung von Innenminister Roland Wöller auf der Chemnitzer Straße in Dresden Abstandskontrollen durch. Die Polizei reagiert damit auf Änderungen in der Straßenverkehrsordnung: seit April definiert sie einen Mindestabstand von 1,50 Metern beim Überholen von Radfahrenden. Außerorts beträgt der verpflichtende Abstand 2 Meter.

Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen, freut sich über die wichtige Aufklärungsarbeit der Polizeidirektion Dresden: „Innenminister Wöller und die Polizeidirektion Dresden haben richtig erkannt, dass zu knappe Überholvorgängen gefährlich sind. Die neuen Hinweise auf den Einsatzwagen sensibilisieren für sicheres Überholen.“ 76% der Rad fahrenden in Sachsen geben an, dass sie regelmäßig zu knapp überholt werden. Das zu enge Überholen von Autos ist der Hauptgrund, warum Menschen auf die Fahrt mit dem Rad verzichten.. Eine großangelegte Studie aus dem Jahr 2018 zeigt, dass in 56% der Überholvorgänge zu eng, also mit weniger als 1,50 Metern Abstand überholt wird. „Es freut mich, dass das Innenministerium die langjährige Forderung des ADFC aufgegriffen hat. Aufklärungsarbeit ist für die moderne Polizei unverzichtbar. Ich freue mich außerdem, dass die Polizei Sachsen nun regelmäßig Überholabstände kontrollieren wird“ sagt Krause.

Nicht zufällig wurde die Chemnitzer Straße in Dresden als Kontrollort gewählt. Sehr schmale Schutzstreifen suggerieren hier fälschlicherweise, dass man mit dem Auto knapp am Radverkehr vorbeifahren kann. Dies ist jedoch keineswegs der Fall. Ein Rechtsgutachten der Unfallforschung der Versicherer zeigte schon 2018, dass der Mindestabstand beim Überholen auch bei Schutz- und Radfahrstreifen gilt. Seit der letzten Novellierung der Verkehrsregeln ist der verbindliche Überholabstand nun Teil der StVO, dies gilt sowohl auf gemischten Fahrbahnflächen als auch, wenn Rad fahrende auf Schutzstreifen oder Radfahrstreifen überholt werden.

 

Hintergrund

Seit der letzten Aprilwoche definiert die StVO beim Überholen von Radfahrenden einen Mindestabstand von 1,50 Metern innerorts und zwei Metern außerorts. Zuvor gab es nur Gerichtsurteile, die den Mindestabstand festlegten.

Der Tagesspiegel hat 2018 in Berlin über zehn Wochen hinweg bei 100 Radfahrenden den Überholabstand von Autos messen lassen. Über 16.000 Datensätze sind so entstanden. Die Ergebnisse sind schockierend: In 56% aller Fälle wurde der Mindestabstand von 1,50 m nicht eingehalten. Bei 18% aller Überholmanöver betrug der Abstand zwischen Auto und Rad weniger als einen Meter und in über einem Prozent aller Fälle wurden die Radfahrenden mit weniger als 50 Zentimeter Abstand überholt.

Die Angst, durch knappe Überholmanöver in einen Unfall verwickelt zu werden ist für viele Menschen ein Hinderungsgrund, auf das Fahrrad umzusteigen. In der begleitenden Umfrage des Tagesspiegels gaben 90% der Radfahrenden an, zu eng überholende Autos als Hauptgefahr im Straßenverkehr zu sehen.

Fahrradklima-Test des ADFC zu Überholvorgängen in Sachsen: https://adfc-sachsen.de/705

Radmesser des Tagesspiegels: https://interaktiv.tagesspiegel.de/radmesser

Rechtsgutachten der UdV: https://repository.difu.de/jspui/bitstream/difu/256762/1/DS1920.pdf

ADFC Sachsen empört über die Ambitionslosigkeit von Ministerpräsident Kretschmer

Heute haben Bundestag und Bundesrat mit dem Kohleausstieg auch das Strukturstärkungsgesetz beschlossen. Kritik an dem Beschluss kommt nicht nur von Umweltverbänden und der Opposition, sondern auch vom Allgemeinen Deutschen Fahhrad-Club (ADFC) Sachsen. Der Entwurf des Gestzes sah eigentlich vor, die Radinfrastruktur in der Region besonders auszubauen. Dieser Absatz wurde jedoch vor der Abstimmung gestrichen.

In den sächsischen Braunkohlenregionen wünschen sich schon jetzt 59% mehr Engagement für sicheren Radverkehr. 60% gaben an, dass sie sich momentan noch auf dem Rad gefährdet fühlen. Dies zeigt der Fahrradklima-Test des ADFC, der 4.200 Personen in den sächsischen Kohlegebieten befragte.

Niklas Schietzold, Vorsitzender des ADFC Sachsen, zeigt sich bestürzt über die ersatzlose Streichung der Radverkehrsförderung: "Die Große Koalition in Berlin hat das Potential des Fahrrads völlig ignoriert. Es ist doch aber klar, dass junge und gut ausgebildete Leute nicht wegen Autobahnen und Lkw-Straßen in die Lausitz kommen. Ohne sichere Radverkehrsnetze locken wir heute keinen mehr hinter dem Ofen hervor! Die Vorstellung, dass man als qualifzierte Fachkraft seine Kinder mit dem Auto zur Schule und zum Sport karren muss, und auch selbst nicht sicher mit dem Rad zur Arbeit kommt, wirkt auf junge Hochschulabsolventen einfach abschreckend. Das will heute keiner mehr, wenn er es sich aussuchen kann."

Studien zeigen, dass immer mehr junge Menschen sich für das Fahrrad als Fortbewegungsmittel entscheiden und immer öfter keinen Führerschein mehr haben. "Wenn der Strukturwandel in der Lausitz ein Erfolg werden soll, dann brauchen wir Angebote, die für die jungen und qualifizierten Absolventen aus den Universitätsstädten attraktiv sind. An jedem Tag das Auto nehmen zu müssen, ist für viele einfach keine Option mehr. Wirtschaftsförderung ist heute eben mehr als große Straßen für breite Lkw zu bauen" erklärt Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen.

"Ich kann nicht verstehen, wie Ministerpräsident Kretschmer, der sich als Kenner ländlicher Strukturen versteht, so ein völlig rückwärtsgewandtes Maßnahmepaket mitträgt." ergänzt ADFC-Vorsitzender Schietzold.

Der ADFC hatte sich in der vergangenen Woche an viele Abgeordnete in Berlin und auch an die sächsische Staatsregierung gewandt, in der Hoffnung, dass die Große Koalition wenigstens den halbherzigen Halbsatz zur  Fahrradförderung im Strukturwandelgesetz stehen lässt. Zuvor hatte die Große Koalition in einer Nacht- und Nebelaktion die Fahrradförderung aus dem Kohleausstiegsgesetz gestrichen. Begründet wurde diese Entscheidung damit, dass nur noch wirtschaftsfördernde Maßnahmen gefördert werden. Die Koalition ignorierte jedoch damit die Mobilitätsbedürfnisse vieler junger Menschen.  Auch die Bedeutung des Radtourismus fand keinerlei Beachtung.

Hintergrund:
Der ADFC möchte die Lausitz zu einer führenden Radregion entwickeln, wofür große Anstrengungen beim Ausbau des touristischen Radwegenetzes erforderlich sind. Auch im Bereich des Alltagsverkehrs will der ADFC den Kohleausstieg als Chance nutzen, um die Lausitz zu einer deutschen Vorreiterregion zu machen, indem der Bund das Radwegenetz an Bundesstraßen ausbaut und Pendlern in die Ballungszentren das Leben leichter gemacht wird, indem sie statt das Auto nutzen zu müssen, leichter mit Rad und Bahn zum Ziel kommen. Dafür fordert der Fahrradclub bis 2025 Abstellanlagen und Radstationen an allen Bahnhöfen im Revier.


Quellen:
   
Fahrradklima-Test (2018) adfc-sachsen.de/fahrradklima  
Junge Menschen nutzen häufiger das Rad: SrV (2018): https://tu-dresden.de/bu/verkehr/ivs/srv/ressourcen/dateien/SrV2018_Ergebnispraesentation.pdf?lang=de

ADFC-Studie zeigt: Nur 20% der Stationen verfügen über sichere Abstellanlagen

Zwei von fünf Bahnhöfen in Sachsen verfügen über keine Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. Bei weiteren 20% sind diese äußerst mangelhaft. Dies zeigt eine Studie des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Sachsen, die heute in Dresden vorgestellt wurde. In der Untersuchung erfasste der ADFC die Qualität und Anzahl der Fahrradabstellanlagen aller 521 sächsischen Bahnhöfe und bewertete sie mit Schulnoten. Während 60% der Bahnhöfe den Test nicht bestanden, erreichten immerhin 20% Note 1 oder 2. An diesen 101 Bahnhöfen kommt auf jeden zehnten einsteigenden Fahrgast mindestens eine überdachte und diebstahlsichere Abstellmöglichkeit.

Gerade Bahnhöfe gelten als Hotspots des Fahrraddiebstahls, weil die Zahl der abgestellten Räder dort meist hoch und die soziale Kontrolle oft gering scheint. Mit der zunehmenden Nutzung von E-Bikes und hochwertigen Rädern steigen auch die Ansprüche an sichere Fahrradabstellmöglichkeiten. Damit sich mehr Menschen trauen ihr Rad am Bahnhof abzustellen, müssen die Bahnhöfe mit modernen Abstellanlagen ausgestattet sein.

„Diebstahlsichere Abstellanlagen kosten wenig Geld und machen das Pendeln mit der Bahn attraktiver. Kommunen und Verkehrsverbünde sollten an den mangelhaften Bahnhöfen schnell nachbessern“ fordert Mücksch, Vorstandsmitglied im ADFC Sachsen.

Der ADFC empfiehlt, für jeden siebenten Einsteiger eine diebstahlsichere Abstellmöglichkeit bereitzustellen. Im Idealfall kommt an den größeren Stationen auf jeden 200. Fahrgast darüber hinaus ein Platz in einer Fahrradbox oder einer Sammelschließanlage. Solche Abstellmöglichkeiten senken die Hürde, mit dem Rad zum Bahnhof zu fahren weiter und erhöhen dadurch den Einzugsradius des Bahnhofs. Nur die Bahnhöfe in Delitzsch, Oschatz und Neukieritzsch erfüllen diese Kriterien. Der ADFC fordert darüber hinaus, die 25 wichtigsten Stationen im Freistaat bis 2030 mit Fahrradstationen auszustatten.

Fast eine Million Sachsen pendeln täglich zur Arbeit, vor allem im ländlichen Raum. 79% der Beschäftigten in sächsischen Städten mit weniger als 10.000 Einwohnern fahren jeden Tag in eine andere Stadt auf Arbeit. „Pendler stehen täglich vor der Wahl welches Verkehrsmittel sie nutzen. Für sehr viele ist die Kombination von Rad und Bahn die intelligenteste Lösung.“ sagt Janek Mücksch.

Zwischen den sächsischen Landkreisen existieren teils erhebliche Unterschiede. Während im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge die Abstellanlagen im Mittel nur Note 5,1 erreichten, erhielten die Landkreise Leipzig und Bautzen durchschnittlich die Schulnote 3,6. Hier verfügen 42% der Bahnhöfe über eine gute Ausstattung. Die sächsischen Großstädte schnitten in der Studie nicht gut ab. In Leipzig verfügen 55% der Stationen über keine oder mangelhafte Abstellanlagen. In Dresden sind es 73% und in Chemnitz sogar 77%.

Hintergrund:

Die durchschnittliche Qualität der Fahrradparker unterscheidet sich nicht nur zwischen den Landkreisen, sondern auch nach Städtegröße. In den Großstädten Dresden, Leipzig und Chemnitz haben 70% der Stationen keine oder nur mangelhafte Abstellanlagen. In Zwickau, Plauen und Görlitz sind es sogar 75%. In den Mittelstädten mit 10.000 bis 20.000 Einwohnern liegt diese Quote dagegen nur bei 40%. In kleinen Gemeinden mit weniger als 1.000 Einwohnern beträgt der Anteil der Bahnhöfe ohne oder mit mangelhaften Fahrradparkern wiederum 74%.

Der ADFC Sachsen erfasste die Qualität und Quantität der Fahrradabstellanlagen an allen 521 sächsischen Bahnhöfen und Haltepunkten. Die Ergebnisse sind größtenteils ernüchternd: 209 Stationen verfügen über gar keine Abstellanlagen und bei 102 weiteren sind sie äußerst mangelhaft. Hier kommen auf 33 Fahrgäste weniger als ein diebstahlsicherer Abstellplatz oder es gibt nur einfache Vorderradhalter. An solchen Felgenklemmern kann durch ein einfaches Abschrauben des Vorderrades das Fahrrad entwendet werden. Daher ist es wichtig, dass sowohl der Rahmen als auch ein Rad mit angeschlossen werden können.

Link zu Studie: https://sn.adfc-clouds.de/index.php/s/f3QK6jdcgN3YGNe

Kartenübersicht zu allen sächsischen Bahnhöfen: www.adfc-sachsen.de/bikeandride

Förderprogramm des Bundesumweltministeriums: https://www.klimaschutz.de/bikeandride

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