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ADFC kritisiert: Nur 8,6% verfügen über einen reinen Radweg

Beim Radwegebau in Sachsen geht es nicht voran. Nur 12% der Bundesstraßen in Sachsen verfügen über einen reinen Radweg. Dies geht auf jüngsten Pressemitteilungen der Bundestagsabgeordneten Caren Lay hervor. Außerorts beträgt die Quote sogar nur 8,6%. Im bundesweiten Vergleich befindet sich der Freistaat damit auf einem der letzten Plätze.

Konrad Krause, Geschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Sachsen kritisiert den Stillstand im Freistaat: „Viele Menschen in Sachsen sind auf ihrem Arbeits- oder Schulweg auf einen sicheren Radweg angewiesen. Stattdessen müssen sie oftmals im dichten Autoverkehr auf gefährlichen Straßen fahren. Dabei müsste es dem Freistaat eigentlich leicht fallen, hier einen Wandel anzustoßen. Denn an Bundesstraßen muss das Land nur planen, die Kosten für Radwege an Bundesstraßen trägt der Bund.“

Zum Vergleich lohnt ein Blick nach Mecklenburg-Vorpommern. Obwohl dort wesentlich weniger Menschen als Sachsen leben, wurde zwischen 2014 und 2019 in Mecklenburg-Vorpommern fast doppelt so viele Mittel für den Radwegebau an Bundesstraßen beantragt wie in Sachsen (25,4 Mio. vs. 49,9 Mio.). Die Bilanz ist deutlich: Während zwischen 2014 und 2018 in Mecklenburg-Vorpommern über 160 Kilometer neue Radwege an Bundesstraßen gebaut wurden, waren es in Sachsen nicht einmal 50 Kilometer.

„Das Dilemma ließe sich leicht lösen. Verkehrsminister Martin Dulig muss jetzt endlich mehr Radverkehrsplaner einstellen, denn das ist das Nadelöhr. So sieht es auch der sächsische Koalitionsvertrag von CDU, Grünen und SPD vor. 30 neue Stellen im LASuV und seinen Niederlassungen benötigen wir mindestens“ sagt Konrad Krause.

Hintergrund: 

Den Radwegebau an Bundesstraßen finanziert die Bundesregierung zu 100%. Die Länder müssen lediglich die notwendigen Planungen durchführen und sind für den Bau zuständig. Doch offensichtlich scheitert der Fortschritt am Personalmangel im LASuV und seinen Niederlassungen. Aus diesem Grund verfallen viele Millionen für Radwege an Bundesstraßen, die dem Freistaat eigentlich zustehen.

 

Längenstatistik des Bundesverkehrsministeriums: https://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Anlage/StB/laengenstatistik-2020.pdf?__blob=publicationFile

Kleine Anfrage zum Radwegebau an Bundesstraßen: http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/19/164/1916438.pdf

ADFC erschüttert über niedrige Priorität des Radverkehrs im sächsischen Landeshaushalt

Sachsens Staatsregierung plant Kürzungen beim Radwegebau. Vor allem Projekten von Kommunen stehen deutliche Einschnitte bevor. Offenbar nimmt der Freistaat das Programm "Radverkehr Stadt & Land" des Bundes zum Anlass, eigene Investitionen zurückzufahren. Dieses Förderprogramm hat der Bund als Teil des Klimapakets aufgesetzt, um die Finanzierung kommunaler Radwegenetze zu verbessern. Der ADFC Sachsen fordert die sächsische Kenia-Koalition auf, diese Kürzungen zurückzunehmen und zu den im Koalitionsvertrag vereinbarten Zielen beim Radverkehr zu stehen.

Im Einzelnen sieht der Haushaltsentwurf von Sachsens Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) bei den Mitteln zum Ausbau kommunaler Radwegenetze eine Reduzierung von 11,7 Mio. Euro im Jahr 2020 auf rund 2,4 Mio. Euro ab 2021 vor. Die Fördergelder aus dem Programm "Stadt & Land" im Rahmen des Klimapakets der Bundesregierung müssen den Einschnitt nun offensichtlich ausgleichen.

Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen ist erschüttert: „Das eigentlich zusätzlich zu bestehenden Programmen vom Bund bereitgestellte "Stadt & Land"-Programm nimmt die Sächsische Staatsregierung offensichtlich zum Anlass, bei der kommunalen Radwegförderung den Rotstift anzusetzen. Dieser Vorgang ist einmalig und ein Skandal! Uns ist kein Bundesland bekannt, was die Mittel aus dem Klimapaket als Anlass dazu nutzt, eigene Förderprogramme herunterzufahren."

"Wenn Sachsens Kenia-Koalition Geldsparen wichtiger ist, als ein sicheres Radwegenetz und der dringend nötige Umbau des Verkehrsnetzes, werden viele sächsische Städte mit ihren Radwegenetzen nicht weiterkommen. Das im Koalitionsvertrag vereinbarte Ziel einer Verdoppelung des Radverkehrs in Sachsen ist so nicht zu schaffen. Ich frage mich langsam, ob irgendjemand in der Koalition dieses Ziel noch ernst nimmt.“

Darüber hinaus ist unklar, wie der Freistaat die Bundesmittel an die Kommunen weitergeben kann. 15 Bundesländer haben in ihren Verkehrsministerien Ansprechpartner für das Programm des Bundes genannt. Das Sächsische Verkehrsministerium ist deutschlandweit das einzige Ministerium, wo ein solcher Ansprechpartner bisher nicht benannt ist.

„Mangelhafte Radinfrastruktur hält viele Menschen vom Radfahren ab. Das Radwege-Förderprogramm "Stadt & Land" der Bundesregierung ist deshalb ein wichtiger Schritt für klimafreundlichen Verkehr. Der Umgang des Sächsischen Wirtschafts- und Verkehrsministeriums mit dem Sonderprogramm sticht im bundesweiten Vergleich jedoch als Negativbeispiel hervor. Die Kenia-Koalition hat jetzt noch die Chance, die Fehler des Verkehrsministers zu korrigieren und mehr Geld für die Städte und Gemeinden zur Verfügung zu stellen."

 

Hintergrund:

Vor einem Jahr hat die sächsische Koalition aus CDU, Grünen und SPD im Koalitionsvertrag vereinbart, den Anteil der mit dem Fahrrad zurückgelegten Wege in Sachsen bis 2025 zu verdoppeln und dafür den Ausbau des Radwegenetzes deutlich voranzubringen.

Mit dem Klimapaket kommt auch auf Bundesebene Bewegung in die Förderung des Radverkehrs. Das Bundesverkehrsministerium stellt mit dem Sonderprogramm "Stadt & Land" zwischen 2021 und 2023 600 Mio. Euro für Qualitätsradwege in den Kommunen zur Verfügung. Sie sollen die Potenziale des Radverkehrs ausschöpfen und mehr Verkehr vom Auto auf klimafreundlichen Radverkehr lenken. Das Programm soll zusätzlich zu bisherigen Programmen der Länder Finanzen bereitstellen und den Ausbau beschleunigen. Der Freistaat Sachsen nutzt dies, um sich aus der eigenen Verantwortung zu ziehen und den sächsischen Landeshaushalt zu schonen. Kein anderes Bundesland entfremdet die Mittel aus dem Klimapaket in dieser Weise.

Auch in anderen Bereichen des Haushaltes fällt der Radverkehr unter den Tisch: Obwohl der Freistaat Sachsen mit seiner Radverkehrskonzeption eigentlich das Ziel verfolgt, bis 2025 noch knapp 500 Kilometer neue Radwege an Staats- und Bundesstraßen zu bauen, weist der erste gemeinsame Haushaltsentwurf von CDU, Grünen und SPD für 2021/2022 in eine andere Richtung. Der Posten "Bau von Radwegen" verharrt bei einem Volumen von 4 Millionen Euro pro Jahr, wovon gerade einmal 13 Kilometer neue Radwege gebaut werden können.

Ebenso plant der Freistaat bei Verkehrssicherheitsprogrammen, der Förderung des Fußverkehrs und der geplanten Lastenradförderung drastische Einschnitte. Neu im Haushaltsentwurf sind dagegen Gelder für die Planung von Radschnellwegen und Bike&Ride-Anlagen. Der Landtag wird sich nun mit dem veröffentlichten Entwurf beschäftigen, darüber beraten und voraussichtolich im Mai einen Haushalt für die nächsten beiden Jahre verabschieden.

 

Hintergründe zum Sonderprogramm "Stadt & Land“: https://www.adfc.de/pressemitteilung/rekordmittel-fuer-den-radwegebau-adfc-begruesst-sonderprogamm-stadt-und-land

Ansprechpartner für das Bundesprogramm "Stadt und Land" (außer Sachsen): https://www.bag.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Foerderprogramme/Radverkehr/SuL_Ansprechpartner.html?nn=2723616

Haushaltsentwurf des SMWA:  https://www.finanzen.sachsen.de/download/EP07_RegE.pdf

Minister Dulig verschleppt Förderprogramm seit zwei Jahren

Sie sind vielseitig einsetzbar, vom Kindertransport bis zum Großeinkauf im Baumarkt: Transporträder sind die Lösung nicht nur für Familien, sondern auch für viele transportbezogene Branchen und Dienstleistungen. Vom Imker bis zum Theaterprojekt gibt es unzählige Dienstleistungen und Ideen, die mit einem Lastenrad preiswerter, praktischer und einfacher funktionieren als mit dem Auto. Um Unternehmer, Kommunen und andere Akteure zum Umstieg zu ermutigen, hat der Sächsische Landtag bereits im Dezember 2018 ein Förderprogramm für Lastenräder beschlossen. Für 2019 standen 0,5 Mio. Euro im Haushalt bereit, für 2020 sogar eine Million.

Doch diese Mittel konnten bisher nicht beantragt werden. Verkehrsminister Martin Dulig benötigte ganze zwei Jahre, um eine Förderrichtlinie zu erarbeiten. Damit nicht genug: Noch immer kommen Unternehmen, Vereine, Kommunen und Zweckverbände an die Förderung nicht heran. Denn für die Erarbeitung eines Antragsformulars benötigt das für den Förderprozess zuständige Landesamt für Straßenbau und Verkehr (LASuV) voraussichtlich ein weiteres Vierteljahr. Frühestens im März 2021 wird die Förderung starten können.

Die für 2019 und 2020 bereitgestellten Mittel in Höhe von insgesamt 1,5 Mio. Euro jedoch werden ungenutzt verfallen. Bevor es überhaupt startet wurde dem Projekt nun auch noch der Geldhahn zugedreht: Im Haushaltsentwurf seines Ministeriums für 2021 und 2022 hat Dulig das Förderprogramm von ursprünglich 1 Million auf 300.000€ pro Jahr zusammengestrichen.

Konrad Krause, Geschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Sachsen, ist konsterniert: „Verkehrsminister Dulig interessiert sich offensichtlich nicht für moderne Mobilität. Seine Ambitionslosigkeit in diesem Bereich macht mich langsam fassungslos. Mich erreichen immer wieder Anfragen von Unternehmen, Selbständgen, Theatern oder Vereinen, die sich nach dem aktuellen Stand der Lastenradförderung erkundigen. Die Nachfrage ist ganz klar da und Martin Dulig lässt diese Leute links liegen.“

Ein vergleichbares Förderprogramm der Stadt Leipzig in Höhe von 150.000€ war binnen weniger Minuten ausgeschöpft. Angesichts dieses Zuspruchs und der dem vom Freistaat vorgesehenen größeren Empfängerkreis erachtet der ADFC Sachsen die nun auf 300.000€ reduzierte Fördersumme als deutlich zu niedrig. „Fortschrittliche Verkehrspolitik sieht anders aus. Ich erwarte, dass die Kenia-Koalition im Landtag jetzt die Möglichkeit nutzt, die Kürzungspläne des Verkehrsministers noch zu korrigieren“ sagt Krause.

 

Hintergrund

Am Mittwoch veröffentlichte die Staatsregierung den Haushaltsentwurf für die kommenden zwei Jahre. Der Landtag kann nun nachjustieren und wird den finalen Doppelhaushalt voraussichtlich im Mai beschließen. Der ADFC setzt große Hoffnungen darauf, dass die Abgeordneten der Kenia-Koalition den Fördertopf für Lastenräder besser ausstatten. Die angesetzten 300.000€ sind ohnehin das Minimum, zu dem sich der Landtag vor zwei Jahren in seiner langfristigen Planung verpflichtet hat.

Als innerstädtische Transporter können Lastenräder ihre Vorteile gegenüber Pick-Ups oder Kleintransportern schnell ausspielen. Denn auf vielen Strecken in der Stadt ist das Fahrrad schneller als das Auto: Die Parkplatzsuche entfällt, die Wege verlaufen direkt von Tür zu Tür und auf dem Radweg am Stau vorbei. Für Gewerbetreibende und Firmen außerdem interessant: Die zwei- oder dreirädrigen Sprinter punkten durch ein positives Image. Die meisten Lastenräder am Markt sind außerdem inzwischen mit einer elektrischen Unterstützung ausgestattet. Aus Sicht des ADFC findet der eigentliche Boom der Elektromobilität schon seit Jahren nicht bei den Autos, sondern im Fahrradbereich statt. Ein elektrisch unterstütztes Lastenrad verbindet die Vorteile des wendigen Fahrrads mit der Power des Elektromotors. Für eine städtische Mobilität in Zukunft , die sicher, flächensparend und sauber organisieren ist, sind Transporträder aus Sicht des ADFC daher ein entscheidender Baustein.

Lastenräder werden seit über 100 Jahren genutzt. In den 80er-Jahren erlangten sie vor allem in Amsterdam und Kopenhagen steigende Popularität. In Kopenhagen gibt es zurzeit schätzungsweise 40.000 Lastenräder. Über ein Viertel aller Familien mit zwei oder mehr Kindern besitzen in Kopenhagen ein Cargobike. Damit sind 6% aller Räder in Kopenhagen Lastenräder.

 

Haushaltsentwurf des SMWA (Titel 07 03 // 893 55): https://www.finanzen.sachsen.de/download/EP07_RegE.pdf

Pressemitteilung des SMWA zur Lastenradförderung: https://medienservice.sachsen.de/medien/news/243575?

Landesamt für Straßenbau und Verkehr: Anträge, Formulare, Informationen: https://lasuv.sachsen.de/cps/rde/xchg/SID-A65DA82C-6BFE03BE/lasuv/hs.xsl/1042.html

Hintergründe zur Lastenradförderung in Leipzig: https://www.leipzig.de/wirtschaft-und-wissenschaft/unternehmensservice/foerderung-und-finanzierung/lastenradfoerderung/

Radfahrerverein warnt: Etwa 10% des gesamten Wegenetzes in Sachsen von Betretungsverbot bedroht

Die Gerichtsentscheidung zur Öffnung des Wanderwegs vom Gasthof Buchholz nach Dippelsdorf hat auch beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club Sachsen (ADFC) Aufmerksamkeit erregt. Moritzburgs Bürgermeister Jörg Hänisch hatte im Herbst einen Prozess gegen einen Grundstücksbesitzer gewonnen, der einen Weg über sein Privatgrundstück mit einem verriegelten Tor gesperrt hatte und die öffentliche Nutzung des Wegs ausdrücklich verboten hatte.

Das Gericht gab der Gemeinde Moritzburg Recht. Obwohl der Weg nicht im Bestandsverzeichnis der Straßen, Wege und Plätze der Gemeinde aufgenommen ist, müsse die Wegeverbindung für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Grundlage dieser Entscheidung ist eine Regelung im sächsischen Straßengesetz, die so genannte Widmungsfiktion. Bei Wegen, die zu einem bestimmten Stichtag im Februar 1993 öffentlich genutzt wurden, geht der Gesetzgeber davon aus, dass sie der Öffentlichkeit gewidmet sind, ganz gleich, ob ein Eintrag im Bestandsverzeichnis existiert oder nicht.

Doch ein solches Verfahren wird für öffentliche Wege, die von Privateigentümern gesperrt werden, bald in vielen Fällen nicht mehr möglich sein. Ende 2022 werden alle öffentlichen Wege, die nicht im Straßenbestandsverzeichnis eingetragen sind, zu Privatwegen. Etwa 10.000 km seien dies in Sachsen, schätzt der ADFC.

"Wir gehen davon aus, dass ab 2023 viele öffentliche Wege auf privatem Grund nicht mehr öffentlich nutzbar sind und von den Besitzern gesperrt werden." befürchtet Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen. Das betrifft sowohl Wander- als auch Radwege, weshalb sich Sachsens Fahrradclub seit geraumer Zeit mit diesen so genannten Wegen mit fiktiver Widmung beschäftigt.

Damit es nicht zum Desaster kommt und tausende Kilometer Wege verloren gehen, fordert der ADFC, gemeinsam mit vielen anderen Akteuren Nachbesserungen von der Politik. "Die Kommunen brauchen mehr Zeit, um ihre Wegenetze systematisch zu durchforsten und nötige Wegeverbindungen zu sichern." sagt Krause. Neben dem ADFC unterstützen auch zahlreiche andere Akteure dieses Anliegen, unter anderem der Fachverband Fußverkehr sowie die Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer Sachsen e.V. und zahlreiche Akteure der Landwirtschaft.

"Das Moritzburger Beispiel zeigt auch: Aktuell ist es aktuell noch vergleichsweise einfach, gegen solche Sperrungen von öffentlich genutzten Privatwegen vorzugehen." sagt Krause. Doch mit dem Jahr 2022 läuft die Frist ab, in der Gemeinden solche Wege, die von jeher öffentlich waren, ohne viel Aufwand in ihre Bestandsverzeichnisse aufnehmen können. "Unglaublich viele bisher öffentliche Wegeverbindungen für den Radverkehr, für Wanderer und Touristen sind in akuter Gefahr. Das Ausmaß des Schadens scheinen die meisten Entscheidungsträger noch gar nicht zu überblicken" fasst Krause das Problem zusammen. Etwa 10% aller Wege in Sachsen könnten der öffentlichkeit für immer entzogen werden. "Die Uhr tickt", warnt der ADFC-Geschäftsführer.
 

Hintergrund

Bei dem Wanderweg in Moritzburg handelt es sich um keinen Einzelfall. Vielmehr sind sachsenweit Rad- und Wanderwege betroffen. Auch in Malschwitz bei Bautzen sperrte erst kürzlich der Grundstückseigentümer plötzlich einen Abschnitt des Spreeradwegs und stellte Anwohner und Gemeindeverwaltung vor vollendete Tatsachen.

Plötzliche Sperrungen ereigneten sich auch im Tharandter Wald durch die Deutsche Bahn, der das Weggebiet gehört, sowie in Hilbertsdorf, wo der schwarze Weg blockiert wurde. Der Firmenbesitzer, über dessen Grundstück der weg verläuft, ließ ein Tor anbringen. Auch in Cunnersdorf treffen Radfahrende und Wanderer auf geschlossene Tore des Schlossbesitzers, wenn sie den früher öffentlich zugänglichen Weg am Schloss nutzen möchten.  Ähnliches ereignete sich auch in Baderitz, wo der Besitzer ein Sperrschild aufstellte, da es zwischen ihm und der Gemeinde jahrelang zu keiner Einigung kam.

Ab 2023 drohen für Wege wie den Weg am Gasthof Buchholz Einschränkungen bis hin zur kompletten und endültigen Sperrung. Der Rechtsweg, wie ihn die Gemeinde Moritzburg in diesem Fall erfolgreich beschritten hatte, ist durch die Änderung des Sächsischen Straßengesetzes dann nicht mehr möglich. Allein in Dresden sind etwa 10% des städtischen Radverkehrsnetzes betroffen. Noch werden die Konsequenzen der Gesetzesänderung und der daraus resultierende Handlungsbedarf von vielen Gemeinden nicht erkannt oder bleiben unbeachtet.

Sachsenweit sind nach Schätzungen des ADFC etwa 10.000 km von insgesamt etwa 120.000 km Wegenetz betroffen. Gerade für den Alltagsradverkehr und den Radtourismus sind solche kleinen Verbindungen im ländlichen Raum, aber auch kleine Parallenwege in der Stadt oft die sichere Alternative zu stark befahrenen Straßen. Nur noch bis zum 31.12.2020 können Betroffene Wegeabschnitte bei ihren Gemeindeverwaltungen zur öffentlichen Widmung melden, die bisher nur "fiktiv gewidmet" sind. Die Gemeinde Moritzburg konnte den Weg noch rechtzeitig für die Öffentlichkeit bewahren.

Deshalb sind die Gemeinden bis dahin gefragt, diese bislang „fiktiv gewidmeten“ Wege der Öffentlichkeit zugänglich zu halten, indem diese in die Bestandsverzeichnisse der Gemeinde eingetragen werden. Sie haben die Möglichkeit dazu noch bis Ende 2022. Angesichts des enormen Wegenetzes ist dies aus Sicht des ADFC Sachsen eine zu kurze Frist.


Quellen

- www.adfc-sachsen.de/index.php/791-jetzt-handeln-nutzung-von-rad-und-gehwegen-in-gefahr
- www.sachsenswege.de
- www.saechsische.de/spreeradweg-fuehrt-wieder-durch-die-teiche-3969898.html
- www.tag24.de/nachrichten/tharandter-wald-rad-absperrungen-colmitz-naundorf-wanderer-fahrradfahrer-295752
- www.freiepresse.de/beliebte-abk-rzung-k-nftig-versperrt-artikel9966025
- www.freiepresse.de/schranken-versperren-den-wildenfelser-weg-artikel10214993

Freistaat hängt beim Radwegebau an Staatsstraßen in ganz Sachsen hinterher

Zum Radweg-Bahnübergang bei Gelenau, der nun schon seit zehn Jahren ohne Radwege in der Landschaft steht, schaltet sich auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) ein.

„Die Radweg-Posse in Gelenau steht stellvertretend für das Tempo, mit dem der Ausbau des Radwegenetzes in Sachsen vorangeht.“ sagt Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen. Schon seit einigen Jahren verfolgt der ADFC den Planungsprozess an der Staatsstraße 95. Die Stelle am Bahnübergang in Gelenau ist bei Anwohnern bekannt für schwere Unfälle. Erst im März dieses Jahres war hier ein Auto bei Tempo 200 schwer verunglückt.

„Besonders ärgerlich ist der fehlende Radweg vor allem für die Leute vor Ort. Pendler, Schulkinder und Rentner müssen sich die gefährliche Staatsstraße mit dem motorisierten Verkehr teilen. Sie riskieren ihr Leben wegen des schleppenden Planungsprozesses. Dass die Planungsprozesse sich so in die Länge ziehen ist schlicht unverantwortlich." ist Krause empört.

„Der Bahnübergang in Gelenau ist außerdem auch ein Mahnmal für die fehlenden Planungskapazitäten beim Radwegebau in Sachsen. Minister Dulig muss bei der Radwegeplanung in Sachsen endlich einen Zahn zulegen." so der ADFC-Geschäftsführer.

Hintergrund

Der Bahnübergang bei Gelenau kam letzte Woche erneut in die Schlagzeilen. Die Schrankenanlage in Gelenau fand 2020 einen Platz in der jedes Jahr erscheinenden Verschwendungsliste des Bunds der Steuerzahler. Bereits 2016 hatte der Steuerzahlerbund das Projekt kritisiert, bis heute ist der Bahnübergang nicht an den Radweg angeschlossen worden. Auch der ADFC ist seit vielen Jahren bemüht, die Bürger vor Ort zu unterstützen und die Fertigstellung des Radwegs an der S 95 zu beschleunigen.

An der Staatsstraße zwischen Pulsnitz und Kamenz sieht die Radverkehrskonzeption des Freistaates mit der höchsten Pritorität den Bau eines Radwegs vor. Zwischen Gersdorf und Pulsnitz wurde der straßenbegleitende Radweg bereits fertiggestellt. Für Radfahrende ist der Abschnitt zwischen Gersdorf und Kamenz zurzeit jedoch sehr gefährlich, da sie gezwungen sind hier auf der stark befahrenen Staatsstraße zu fahren. Eine Verkehrszählung aus dem Jahr 2015 ergab, dass in diesem Abschnitt der S 95 eine hohe vierstellige Anzahl an Kraftfahrzeugen unterwegs ist. Auf der S 95 beträgt die zulässige Höchstgeschwindigkeit fast durchgängig 100 km/h. In vielen Fällen überholen Kfz die Radfahrenden viel zu knapp, sodass diese enorm gefährdet sind.

Den Radweg zwischen Gelenau und Kamenz fordern auch Anwohner und eine Bürgerinitiative schon seit Jahren. Das Projekt steht exemplarisch für die zähen Planungsprozesse beim Radwegebau an sächsischen Staatsstraßen. Während im Bundesdurchschnitt 26% der Landstraßen über einen Radweg verfügen, sind es in Sachsen lediglich 11%.

Auch das Radverkehrskonzept des Freistaats stellt fest: Beim Radwegebau an Staatsstraßen besteht Nachholbedarf. Sachsen hat sich deshalb in seiner Radverkehrskonzeption das ambitionierte Ziel gesetzt, bis 2025 noch rund 500 Kilometer Radwege an Staats- und Bundesstraßen zu bauen, also 100 Kilometer pro Jahr. Bisher ist noch zu wenig passiert: 2018 kamen an Staatsstraßen lediglich 5 neue Kilometer Radwege hinzu, im Jahr davor 8 Kilometer. Auch stehen für den Radwegebau an sächsischen Staatsstraßen bislang lediglich 4 Millionen Euro pro Jahr bereit. Das reicht in etwa für den Neubau von rund 13 Kilometern Radweg pro Jahr.


Link zum neuen Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler: https://documentcloud.adobe.com/link/review?uri=urn:aaid:scds:US:5f044b6e-a280-4935-bb63-94b8e491e88a#pageNum=1
Link zur Radverkehrskonzeption des Freistaates: https://www.radverkehr.sachsen.de/5700.html

Nach dem Verkehrsunfall auf der S 44 am Montag, bei dem ein 85-jähriger Radfahrer sein Leben verlor, zeigen sich auch die Aktiven des ADFC Sachsen bestürzt. Der Rentner war gezwungen auf der viel frequentierten Straße zu fahren, da an der S 44 ein Radweg fehlt. Bereits seit Jahren fordern Schulen, Vereine und auch Leisnigs Bürgermeister Tobias Groth den Bau eines Radwegs entlang der Staatsstraße. Doch Sachsens Verkehrsminister Martin Dulig erteilte dem Projekt im Frühjahr 2018 eine Absage. Der Radewg sei nicht nötig, so das Urteil des zuständigen Sächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA) in Dresden.

„Es wurde im Ministerium nie ernsthaft geprüft, ob ein Radweg gebaut werden kann. Die Bitten der Anwohner und Schulen wurden schlicht ignoriert. Das rächt sich jetzt bitter.“ zeigt sich Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen, erschüttert.

Der Abschnitt der S 44 zwischen Leisnig und Brösen wird in der Radverkehrskonzeption des Freistaates unter Priorität C geführt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass kein Bedarf für einen Radweg besteht. Stattdessen wurde bei Abschnitten dieser Kategorie schlicht noch nicht geprüft, ob ein Radweg überhaupt erforderlich ist.

"Der Freistaat hinkt beim Radwegebau seit Jahren hinter den Bedürfnissen der Bürger her. Sachsens Staatsregierung muss sichere Radwege endlich zu ihrer Chefsache machen. Hier geht es um den Schutz von Leib und Leben. Da sehe ich auch Ministerpräsident Kretschmer in der Verantwortung" sagt der ADFC-Geschäftsführer.

Die S 44 ist keineswegs ein Einzelfall, wie Recherchen des ADFC ergeben haben. Nur 11% von Sachsens Staatsstraßen sind überhaupt mit einem Radweg ausgestattet. "Obwohl das Problem schon vor Jahren erkannt wurde, kann man das Radwegenetz an ortsverbindenden Straßen eigentlich nicht als solches bezeichnen. Es besteht vor allem aus Lücken." sagt Konrad Krause.

 

Hintergrund

Leisnigs Bürgermeister Tobias Groth und die Leisniger Stadträte kämpfen seit Jahren für einen Radweg an der S 44. Dieser ist nicht nur für Schüler auf ihrem täglichen Weg dringend notwendig, sondern auch für die ansässigen Vereine. Rückhalt erhielten die Intiviativen 2018 vom jetzigen Umweltminister Wolfram Günther.

Beim Radwegebau an Staatsstraßen geht es in Sachsen nur im Schneckentempo voran. Auch das Radverkehrskonzept des Freistaats stellt fest: Beim Radwegebau an Staatsstraßen besteht Nachholbedarf. Sachsen hat sich deshalb in seiner Radverkehrskonzeption das ambitionierte Ziel gesetzt, bis 2025 noch rund 500 Kilometer Radwege an Staats- und Bundesstraßen zu bauen, also 100 Kilometer pro Jahr. Bisher ist noch zu wenig passiert: Nur 11 % sind mit einem Radweg ausgestattet. In den letzten Jahren sind nur wenige Kilometer hinzugekommen.

Das liegt zum einen am Geld. Im letzten Doppelhaushalt standen für den Radwegebau an Staatsstraßen lediglich 4 Millionen Euro bereit. Das reicht theoretisch gerade einmal für rund 13 Kilometer Radweg pro Jahr.

Erst jüngst landete Sachsen beim Bundesländerindex Mobilität&Umwelt in der Kategorie "Verkehrssicherheit" auf dem letzten Platz. Auf 1 Mio. Einwohner kamen auf Sachsens Straßen letztes Jahr 1.005 Schwerverletzte. Der Freistaat ist damit Schlusslicht in Deutschland.

 

Eine Auswahl tödlicher Rad-Unfälle an Staatsstraßen in Sachsen ohne Radweg

2. 11. 2020: Ein 85-jähriger Mann wird beim Aufprall eines Pkw auf der S 44 bei Brösen angefahren und stirbt. Ein Radweg fehlt an der Staatsstraße.

15.10.2020: Beim Überholen kommt es zum Zusammenstoß zwischen einem Pkw und einer 84-jährigen Radfahrerin auf der S 24 in Sitzenroda. Die Radfahrerin stibt.

24.06.2020: Auf der S 37 bei Mügeln rammt ein Pkw-Fahrer einen 64-jährigen Radfahrer beim Abbiegen. Ein Radweg ist an der Staatsstraße nicht vorhanden. Der Radfahrer stirbt.

23.09.2019: In Schweikershain erfasst ein Pkw einen 80-jährigen auf der Staatsstraße 200 Richtung Mittweida. Der Mann stirbt.

Finanziert aus Mitteln des Strukturstärkungsgesetzes für die Kohleregionen sollte eome 70 km lange "Lausitzmagistrale" die Autobahnen A 4 und A 15 verbinden. Kritiker des Projekts wiesen schon seit längerem darauf hin, dass für das Großprojekt kein Bedarf bestehe. Wie die Sächsische Staatsregierung am 23. Oktober bekanntgegeben hat, sieht inzwischen auch der Freistaat für die Route aus umweltfachlicher, wirtschaftlicher und verkehrlicher Sicht keine Grundlage mehr.

Damit werden erhebliche finanzielle Mittel frei: 410 Mio. Euro waren für das gewaltige Projekt veranschlagt. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Sachsen möchte die bisher für die B 178 verplanten Mittel aus dem Strukturstärkungsgesetz in moderne, vernetzte und sichere Radverkehrsverbindungen investieren.

"Ich freue mich, dass der Freistaat bei der B 178 nun die Reißleine gezogen hat. Bis 2025 möchte die Koalition in Dresden den Anteil des Radverkehrs in Sachsen verdoppeln. Das ist sehr ambitioniert, weshalb die frei werdenden Mittel unbedingt für dieses Ziel eingesetzt werden sollten" sagt Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen.

Rechnerisch könnten von den 410 Mio. Euro mehr als 1.300 km Radwege neben Bundes-, Staats-oder Kreisstraßen gebaut werden. Das entspräche nahezu einer Verdoppelung des aktuellen Radwegenetztes aller Kreis-, Staats- und Bundesstraßen im gesamten Freistaat. Der ADFC schlägt vor, dass die Mittel nun verstärkt in Radverkehrsprojekte in den sächsischen Kohleregionen investiert werden. Insbesondere sieht der Fahrradverband den Bedarf im beschleunigten Bau von Radwegen an Bundesstraßen sowie in einem Programm zur Vernetzung von Bahn und Radverkehr.

"Gerade im ländlichen Raum ist doch ein Mangel an autobahnartigen Bundesstraßen wirklich nicht das Problem. Viel größer sind die Probleme einfachster Basismobilität, weil man mit dem Rad nicht sichervon Ort zu Ort kommt. Oft sind Menschen auf dem Weg zu Arbeit, Schule oder EInkauf auch für sehr kurze Strecken auf das Auto angewiesen, weil eine sichere Radverbindung ins Nachbardorf schlicht fehlt."

"Der Freistaat will junge und gut ausgebildete Menschen in die Lausitz locken. Längst sind lückenlose und sichere Radverkehrsnetze ein ernstzunehmender Standortfaktor. Die Vorstellung, dass man als qualifzierte Fachkraft seine Kinder mit dem Auto zur Schule und zum Sport fahren muss und auch selbst nicht mit dem Rad zur Arbeit kommt, wirkt auf junge Hochschulabsolventen einfach abschreckend."

Der Weg zu einem dichten Radwegenetz scheitert in Sachsen vielerorts an Planungskapazitäten und der Finanzierung: Lediglich 28 % der Bundesstraßen in Sachsen verfügen aktuell über einen Radweg. Bundesweit liegt dieser Wert bei über 40 %. Nur 11 % von Sachsens Staatsstraßen verfügen aktuell über einen Radweg. Damit rangiert Sachsen bundesweit auf den letzten Plätzen.

Der ADFC möchte die Lausitz zu einer führenden Radregion in Deutschland entwickeln, wofür große Anstrengungen beim Ausbau des touristischen Radwegenetzes erforderlich sind. Auch im Bereich des Alltagsverkehrs sieht der ADFC den Kohleausstieg als Chance für modernen und vernetzten Radverkehr. Ein sicheres und lückenloses Radwegenetz kann die Lebensqualität ländlicher Regionen reheblich steigern und ist ein entscheidender Baustein für eine erfolgreiche Regionalentwicklung nach dem Kohleausstieg.

Hintergrund

Am vergangenen Freitag kündigte die Sächsische Staatsregierung an, den Neubau der Bundesstraße 178n nicht weiter zu verfolgen. Die Machbarkeitsstudie zur B 178n konnte weder nachweisen, dass das Verkehrsaufkommen eine neue Straße rechtfertigen würde, ebenso wurde die Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit des Projekts als "nicht darstellbar" bezeichnet.

In den sächsischen Braunkohleregionen wünschen sich schon jetzt 59% ein stärkeres Engagement für sicheren Radverkehr. Etwa 60% fühlen sich bei ihren Wegen auf dem Rad gefährdet. Sogar 70% der Befragten gaben an, dass sie selbst größere Kinder nicht mit gutem Gewissen allein Rad fahren lassen.

Dies zeigt der Fahrradklima-Test des ADFC, der 4.200 Personen in den sächsischen Kohlegebieten befragte.

Für die Lausitz fordert der ADFC eine beschleunigte Umsetzung des Radwegebaus an Bundesstraßen. Das betrifft ca. 40 km Neubaustrecke im Landkreis Bautzen und ca. 20 km Radwege im Landkreis Görlitz. An den Bahnhöfen in der Lausitz hat der ADFC der Sächsischen Staatsregierung einen Ausbauplan für Fahrradstationen mit einem Investitionsvolument von ca. 9 Mio. Euro vorgelegt. Weitere 15 Mio. sollten laut ADFC in den Bau einer hochwertigen touristischen Radverbindung vom Elberadweg in die Lausitz investiert werden, um die radtouristischen Potentiale zwischen Elbe und Neiße besser zu erschließen.

Quellen
- Pressemitteilung des SMWA: https://www.medienservice.sachsen.de/medien/news/242146
- Fahrradklima-Test (2018) adfc-sachsen.de/fahrradklima  
- Junge Menschen nutzen häufiger das Rad: SrV (2018): https://tu-dresden.de/bu/verkehr/ivs/srv/ressourcen/dateien/SrV2018_Ergebnispraesentation.pdf?lang=de

ADFC Sachsen kritisiert Abstimmungsverhalten der Sächsischen Staatsregierung

Zur missglückten Abstimmung über die Reparatur der StVO-Novelle im Bundesrat am Freitag sagt Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen heute:

"Ich halte es für einen unglaublichen Vorgang, dass ausgerechnet die Grünen Radfahrer und Fußgänger zu Geiseln für ihre politischen Spielchen machen. Denn diese beiden Gruppen sind es, die von der Novelle der StVO im Frühjahr am meisten profitiert hatten. Nie darf die Sicherheit der schwächsten Verkehrsteilnehmer zum Gegenstand für politische Pokerspiele werden. Genau das aber ist heute im Bundesrat passiert. Dafür tragen die Grünen die politische Verantwortung!"

Krause kritisiert auch das Abstimmungsverhalten Sachsens im Bundesrat. Der Vertreter des Freistaats, Sachsens grüner Umweltminister Wolfram Günther, hatte sich bei den Vorschlägen für eine Reparatur der StVO-Novelle enthalten. Auch wegen seiner Enthaltung könnte die Einigung über eine endgültige Fassung der StVO zu einer unabsehbaren Hängepartie werden und die Neuregelungen im Bußgeldkatalog letztlich sogar kippen.

"Wir hätten erwartet, dass sich Sachsens Landesregierung auf ein konstruktives Abstimmungsverhalten im Bundesrat einigen kann und dass bei ein so wichtiges Thema wie der Verkehrssicherheit nicht einem völlig absurden parteipolitischen Scharmützel geopfert wird. Wenn es um die verkehrssicherheit geht, darf es keine Enthaltung geben!" so Krause abschließend.

 

Hintergrund

Durch einen Formfehler in der novellierten Straßenverkehrs-Ordnung fallen derzeit auch die Bußgelder für gefährdendes Verhalten gegenüber Radfahrenden zurück auf das Niveau vor der Reform. Der Fahrradclub ADFC appelliert dringend an das Bundesverkehrsministerium und die Landesregierungen, die Debatte um Fahrverbote für Raser gesondert zu führen – und die Verbesserungen für den Radverkehr unverzüglich wieder in Kraft zu setzen.

Die Ende April in Kraft getretene neue Straßenverkehrsordnung nebst angeschlossenem Bußgeldkatalog hatte zahlreiche Verbesserungen für den Radverkehr gebracht, für die der ADFC lange gekämpft hat. So wurde erstmals ausdrücklich festgelegt, dass Autofahrende beim Überholen von Radfahrenden mindestens 1,50 Meter Sicherheitsabstand halten müssen. Die Bußgelder für das Zuparken von Radwegen wurden auf bis zu 100 Euro deutlich erhöht, das Halten auf Schutzstreifen wurde ausdrücklich verboten. Auch das Abbiegen und Autotür-Öffnen ohne Schulterblick wurde verteuert.

Ein Dissens über die Höhe der Sanktionen bei Geschwindigkeitsüberschreitungen und ein übersehener Paragraf im Vorspann drohen jetzt, eine Einigung der StVO zu einer endlosen Hängepartie werden zu lassen.

Zum Videomitschnitt der Bundesratssitzung vom Freitag: https://www.bundesrat.de/DE/plenum/bundesrat-kompakt/20/993/993-node.html

Sie sind vielseitig einsetzbar, vom Kindertransport bis zum Großeinkauf im Baumarkt: Transporträder sind die Trendmobile der Fahrradbranche und auch im Straßenbild deutscher Städten immer öfter zu sehen. Mittlerweile können in Sachsen 23 so genannte freie Lastenräder kostenlos gebucht werden, die meisten bietet der ADFC an.

Nicht nur bei der Zustellung von Post und Päckchen spielen die umweltfreundlichen Transporter eine wachsende Rolle. Sie sind in ganz unterschiedlichem Auftrag unterwegs: Vom Imker bis zum Theaterprojekt gibt es unzählige Dienstleistungen und Ideen, die mit einem Lastenrad preiswerter, praktischer und einfacher funktionieren. Besonders auf kurzen Strecken sind die zwei- oder dreirädrigen Alleskönner im städtischen Raum unschlagbar. Mit Elektroantrieb können Transporträder Autos sogar auf längeren Strecken ersetzen und komplett überflüssig machen. Wer die Vorzüge der CO2-neutralen Transporter ausprobieren möchte, für den sind Freie Lastenräder ein interessantes Angebot.

„Seit einigen Jahren betreibt der ADFC in Sachsen mehrere Sharing-Initiativen, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Viele Menschen wollen einmal eine Fahrt mit dem Lastenrad ausprobieren und sind auf der Suche nach einer Transportalternative zum Auto.“ Sagt Konrad Krause, Geschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club Sachsen (ADFC).

In Dresden erfüllt seit März 2016 die Lastenrad-Initiative „Frieda und Friedrich“ diesen Zweck. Die insgesamt 16 Räder können in der ganzen Stadt ausgeliehen werden. Als Verleihstationen fungieren Fahrradläden, Bio-Märkte, ein Baumarkt und ein Sportgeschäft in der Dresdner Innenstadt und in Radebeul. LARA heißt das Verleih-Angebot des ADFC Leipzig mit drei Lastenrädern im Angebot. Auch in Chemnitz bietet der ADFC zwei Lastenräder zum Verleih. Carlos und Karli sind zwei besondere und eher seltene Exemplare, beide mit einem Elektromotor zur Unterstützung. Auch in Bischofswerda stehen zwei Lastenräder zur freien Nutzung zur Verfügung.

Die Sharing-Initiativen werden auf kostenloser Basis angeboten, eine freiwillige Spende ist jedoch gerne gesehen – für die Wartung und Instandhaltung der Räder und den organisatorischen Aufwand.

Bei freien Lastenrädern üblich: Jedes Rad hat einen eigenen Namen. Auch sonst unterscheiden sich die Räder voneinander. Ob das Fahrrad zwei oder drei Räder hat, ob der Fahrer auf einen Elektroantrieb zurückgreifen kann und wie viel Zuladung möglich sind: „Die Auswahl an unterschiedlichen Rädern ist inzwischen sehr groß.“

Meist kann ein Lastenrad ohne Elektroantrieb bis zu 100 kg transportieren. Manche Räder mit elektrischer Unterstützung transportieren sogar deutlich mehr. Besonders fantasievoll tritt die „Generationenrikscha“ ins Bild, ausgestattet mit Anschnallgurten, einem Baldachin und einem Geländer zum besseren Einsteigen. Das Dresdner Verleihangebot „Frieda und Friedrich“ stellt dieses ganz besondere Vehikel zur Verfügung, welches auch weniger mobile und ältere Personen ermöglicht, einen Rad-Ausflug zu machen.

Warum Cargo Bikes?

Lastenräder sind vielseitig einsetzbar: Ob für den Kindertransport, den Einkauf oder den kleinen Umzug. Die Idee dahinter: Mehr Menschen eine umweltfreundliche Alternative jenseits von Stau und Auto aufzeigen und dabei Städte für Menschen gestalten, in denen nicht alle Straßen von Autos zugeparkt werden, und in denen eine gesteigerte Luftqualität und eine geringere Klimabelastung herrschen.

So viele neue Mitglieder wie noch nie. Zu diesem Ergebnis kommt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Sachsen in seiner Zwischenbilanz des Jahres 2020. Seit Januar konnte der ADFC Sachsen 789 neue Mitglieder begrüßen. In vorangegangen Jahren wuchs der sächsische Fahrrad-Club dagegen in einem ganzen Jahr um 400-500 Mitglieder. Mit  aktuell 7358 Mitgliedern ist der ADFC Sachsen einer der größten eingetragenen Vereine in Sachsen.

Die größten Ortsgruppen sind dabei Dresden (4.154 Mitglieder, Zuwachs von 435 seit 1. Januar), Leipzig (1.670, +185) und Chemnitz (517, +66).

"Radfahren liegt im Trend, nicht erst seit Corona. Immer mehr Menschen entscheiden sich für das Fahrrad als gesundes, kostengünstiges und umweltfreundliches Transportmittel für alltägliche Wege und in der Freizeit. Mit der Corona-Pandemie hat sich diese Entwicklung noch einmal verstärkt. Wir haben einen enormen Zuwachs bei der Nutzung des Fahrrads im Alltag und auch die Zahl der Radtouren und Radurlaube geht gerade durch die Decke." berichtet Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen.

"Doch schon seit Jahren klemmt in Sachsen der Ausbau sicher nutzbarer Radinstrastruktur. Die Menschen wollen mehr mit dem Rad unterwegs sein, aber sie wollen zum Schluss natürlich heil wieder zuhause ankommen. Diese riesige Lücke zwischen Erwartung und Realität ist der Grund, warum immer mehr Leute den ADFC als starke Stimme für das Fahrrad unterstützen." sagt Krause. "Von der Verkehrspolitik erwarten die Menschen keine Märchen von selbstfahrenden Autos oder Flugtaxis, sondern lückenlose und sichere Radwegenetze."

Auch in den Städten und Gemeinden müsse das Thema ernster genommen werden. Mehr Einsatz für sichere Radinfrastruktur sei das Gebot der Stunde. Bei beengten Straßenverhältnissen stelle sich immer wieder die Frage: "Parkplätze oder Radweg?" Diese werde nur in seltenen Fällen zugunsten des Radwegs beantwortet. Mit Blick auf mehrere tödliche Unfälle in den vergangenen Monaten findet Krause: "Es muss endlich Schluss sein mit halbherzigen Lösungen und Verzögerungen. Wir können mit dem Ausbau des Radwegenetzes nicht immer erst warten, bis wieder ein Radfahrer tödlich verunglückt ist." Deshalb geht der ADFC auch 2020 unter dem Motto "Mehr Platz fürs Rad" auf die Straße und weist auf Lücken und Gefahrenstellen im Radwegenetz hin.

 

Über den ADFC

Bundesweit hat der ADFC knapp 200.000 Mitglieder. Das durchschnittliche ADFC-Mitglied in Sachsen ist 46 Jahre alt, 37% aller sächsischen ADFC-Mitglieder sind jünger als 40 Jahre. Der Verein setzt sich vor Ort für eine fahrradfreundliche, sichere und komfortable Verkehrsplanung ein. 2019 organisierte der ADFC in Sachsen über 300 Radtouren mit rund 4.500 Teilnehmenden. Außerdem berät der Fahrradclub zu technischen Fragen rund ums Fahrrad.

ADFC-Mitglieder profitieren darüber hinaus von der 24h-ADFC-Pannenhilfe fürs Rad, die im Fall einer Havarie Rad und Fahrer unter die Arme greift. Falls die Panne nicht vor Ort behoben werden kann, bringt die ADFC-Pannenhilfe das Rad bis zur nächsten Werkstatt. Des Weiteren zeichnet der ADFC fahrradfreundliche Übernachtungsmöglichkeiten mit dem Bett+Bike-Zertifikat aus. In Sachsen gibt es derzeit fast 200 Bett+Bike-Unterkünfte.

Eine Einzelmitgliedschaft im ADFC kostet 56€ jährlich, der Mitgliedsbeitrag für unter 27-jährige liegt bei 33€. Darüber hinaus bietet der ADFC Haushalts- und Familienmitgliedschaften an für 68€ Jahresbeitrag an.

 

Weitere Informationen:

Zur ADFC-Pannenhilfe: www.adfc.de/artikel/die-adfc-pannenhilfe

Zu Mitgliedervorteilen des ADFC: www.adfc.de/sei-dabei

Zum Projekt Bett+Bike: www.bettundbike.de

Zum Projekt fahrradfreundlicher Arbeitgeber: www.fahrradfreundlicher-arbeitgeber.de

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