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Der Sächsische Landtag hat in seiner Sitzung am 14. Dezember 2017 einen maßgeblichen Entschluss zur Förderung des Radverkehrs in Sachsen gefasst. In dem einstimmig beschlossenen Antrag „Fahrradwegebau beschleunigen, Zusammenarbeit zwischen den Verwaltungseinheiten stärken“ haben sich die sächsischen Landtagsabgeordneten mit den Stimmen von CDU, SPD, Linken und Grünen entschlossen, den Radverkehr in Sachsen deutlich zu stärken. Die Abgeordneten der AfD sowie einzelne fraktionslose Abgeordnete enthielten sich.

Derzeit werden zahlreiche interessante Stellen zur Fahrradförderung neu ausgeschrieben. Gesucht werden, Tourismusexperten, Radverkehrsplaner, Juristen und andere, die sich in den verschiedensten Zusammenhängen mit Herzblut und Know-how der Förderung des Radverkehrs widmen wollen.

bilanz 200Für den ADFC in Sachsen war 2017 ein aufregendes Jahr. Wir waren öffentlich sichtbar, waren mit einer Rekordzahl öffentlicher Vorträge erlebbar und haben landesweit Themen fokussiert, über die andere vielleicht lieber den Mantel des Schweigens gehüllt hätten. Der schleppende Ausbau des Radwegenetzes im ländlichen Raum ist so ein Thema. Zu viele Menschen fühlen sich aufgrund der unzureichenden Radverkehrsinfrastruktur noch zu unsicher, um einen Großteil ihrer Wege mit dem Rad zurückzulegen.

Aktuell hat der ADFC in Sachsen 4900 Mitglieder. Damit das Fahrrad in der Öffentlichkeit stärker durchdringt und der ADFC mit noch mehr Kraft als bisher aus dem Autoland Sachsen ein Fahrradland machen kann, müssen wir stärker werden. Nur noch 100 Leute fehlen, dann haben wir das wichtige Zwischenziel von 5000 Mitgliedern erreicht.

Schon in den 1890ern, war Radfahren sehr in Mode. Ob zum Zweck der Erholung, des Sports oder der Alltagsmobilität: Das Fahrrad spielte um die Jahrhundertwelle eine große Rolle, auch in Sachsen. Dresden war neben Chemnitz und Leipzig eines der Zentren der deutschen Fahrradszene. Im Jahr 1898 existierten in der Landeshauptstadt 52 Fahrradfabriken und -handlungen mit tausenden Angestellten. Diverse Postkartenmotive zeigen sowohl emanzipierte Damen als auch Fensterputzer mit dem Rad. Auch einer der allerersten Radwege Deutschlands wurde in Dresden angelegt.

reflektor 2017 2Diese Woche ist die neue Ausgabe des Reflektor Magazins erschienen. Im Schwerpunktthema geht es um die Förderung des Radverkehrs in Sachsen. Wir haben mit Rolf Leonhardt über den aktuellen Stand der sächsischen Radverkehrspolitik gesprochen, der im ADFC-Landesvorstand für Verkehrspolitik zuständig ist.

Der Minister ist verantwortlich

Interivew mit Rolf Leonhardt, stellvertretender Vorsitzender des ADFC Sachsen.

Reflektor Magazin: Sachsen schneidet mit Platz 12 von 13 deutschen Flächenländern beim Fahrradklima-Test eher mittelmäßig ab. Ist diese Stagnation eine Überraschung?

Rolf Leonhardt: Nicht wirklich, denn es hat sich in letzter Zeit relativ wenig getan. Und was noch viel wichtiger ist: Es ist auch keine richtige Aussicht da, dass sich etwas entscheidendes tun wird. Da waren die Hoffnungen zum Beginn der Legislaturperiode schon ganz andere, als das, was jetzt aktuell läuft.

R: Nun hört man von Seiten des Landes immer mal wieder „die Kommunen müssten einfach mal anfangen, Fördermittel beantragen und dann loslegen.“ Ist Radverkehrsförderung allein eine Sache der Kommunen? Hängt die im Fahrradklima-Test zu erkennende Stagnation allein an den Kommunen?

RL: Natürlich spielen die Strukturen in den Kommunen eine große Rolle, das ist völlig klar. Aber wir bekommen aus den Kommunen gerade jetzt positive Signale. Leipzig ist zum Beispiel schon immer bei Fahrradinfrastruktur vorneweg gewesen. Es gibt zum Beispiel auch ein klares Bekenntnis des Oberbürgermeisters zum Radverkehr von diesem Sommer. Auch in Dresden wird richtig losgelegt, es werden zum Beispiel neue Stellen geschaffen und die Stadtverwaltung tut dort auch jetzt schon viel. Aber auch in den kleinen Kommunen, ob jetzt Radebeul oder Auerbach im Vogtland, da ist eindeutig zu erkennen, die Kommunen wollen etwas tun. Es hängt aus meiner Sicht derzeit ganz eindeutig am Land. Die Förderstrukturen klappen nicht. Die Prioritätensetzungen beim Radverkehr, die vom Landtag und dem Minister vorgegeben ist, werden nicht umgesetzt vom Ministerium und der Verwaltung.

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