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Der Sächsische Landtag hat heute beschlossen, dass alle LKW im Fuhrpark des Freistaats Sachsen mit Abbiegeassistenten nachgerüstet werden sollen. Außerdem beschlossen die Abgeordneten, bei der Beschaffung neuer LKW die Ausstattung mit Abbiegeassistenten verbindlich vorzusehen.

Neben der seit April 2020 in der StVO verankerten Schrittgeschwindigkeit beim Abbiegen ist die Nachrüstung mit Abbiegeassistenten ein weiterer wichtiger Schritt, um Unfälle zwischen LKW und Radfahrenden zu vermeiden. Allein 2020 wurden in Sachsen acht Radfahrende und Fußgänger bei Unfällen, bei denen der LKW-Fahrer die Hauptschuld trug, getötet. 61 Radfahrende und Fußgänger wurden verletzt. Ein Teil der Unfälle hätte sich mit Abbiegeassistenten verhindern lassen können.

"Mit dem Beschluss zur Nachrüstung eigener Lkw handelt der Freistaat Sachsen als Vorbild." sagt Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen. "Mit der Umrüstung der kompletten LKW-Flotte des Freistaats löst die Kenia-Koalition ein wichtiges Versprechen aus dem Koalitionsvertrag ein. Das ist ein guter Schritt!"

Aber nicht nur die Fahrzeuge macht der ADFC als Ursache für schwere Unfälle zwischen LKW und Radfahrern aus. "An vielen Stellen sind gefährliche geschaltete Ampelschaltungen und unübersichtlich gestaltete Kreuzungen ein echtes Problem" weiß Krause zu berichten. Es müsse daher immer im Blick bleiben, den Schwerlastverkehr innerorts zu reduzieren und von Radrouten wegzuführen. 

"Es geht dabei natürlich nicht nur um die Abbiegeproblematik. Mehr Verkehrssicherheit erreichen wir in der Fläche nur, wenn es für die Akteure vor Ort auch leichter wird, Tempo 30 anzuordnen und wenn endlich klare Anreize für sichere Kreuzungen gesetzt werden" sagt Krause. Sachsen könne hier mit einer entsprechenden Förderung durchaus steuern. Leider setze das Verkehrsministerium in diese Richtung bisher keine Impulse. Beispielsweise stellt sich Sachsens Verkehrsminister Martin Dulig im Moment quer, wenn es darum geht, mit Tempo 30 an stark befahrenen Ortsdurchfahrten für mehr Sicherheit zu sorgen.

Hintergrund

Der Anteil von Unfällen zwischen LKW und Radfahrenden ist verglichen mit dem gesamten Unfallgeschehen überschaubar. Die Unfallschwere bei solchen Zusammenstößen ist jedoch überdurchschnittlich. Zwischen 20 und 40 Radfahrerinnen und Radfahrer pro Jahr werden durch rechtsabbiegende LKW getötet, etwa 1.500 teils schwer verletzt. Ein typisches Muster bei Unfällen zwischen LKW und Fahrrädern: Rechtsabbiegende Lkw-Fahrer rechnen nicht mit Radfahrenden, die auf dem Radweg rechts am LKW vorbeifahren. Um die unübersichtliche Situation für den Fahrer zu vereinfachen und die Verkehrssicherheit zu erhöhen, gibt es am Markt seit einigen Jahren Assistenzsysteme für LKW.

2018 startetet des Bundesverkehrsministerium nach einer Serie tödlicher Verkehrsunfälle mit LKW auf Druck des ADFC die "Aktion Abbiegeassistent". Ein Förderprogramm zur Nachrüstung von Lkw wurde aufgelegt.

Ab Juli 2022 sind in der EU für neu zugelassene LKW -Fahrzeugtypen und ab Juli 2024 für alle neu verkauften LKW  Abbiegeassistenten verpflichtend. Doch immer mehr Unternehmen wollen bis dahin nicht mehr warten. Auch die Dresdner Feuerwehr, der ASR Chemnitz sowie die Stadtreinigung Leipzig rüsten schon vorher ihre Fahrzeuge mit Abbiegeassistenten nach. Dennoch ist von den aktuell deutschlandweit zugelassenen 840.000 LKW und Bussen über 3,5 Tonnen nur ein sehr geringer Anteil mit Abbiegeassistenten ausgestattet. 

Bis die letzten Fahrzeuge ohne Assistent ausgemustert sind, werden allerdings noch viele Jahre vergehen. Besonders bei kommunalen Fahrzeugen wie der Müllentsorgung oder der Straßenreinigung, die nahezu ihre komplette Nutzungsdauer im Stadtverkehr unterwegs und viele Jahre lang im Einsatz sind, sieht es der ADFC problematisch. Um einen größeren Nutzen für die Verkehrssicherheit zu erzielen, fordert der Fahrradclub neben der bestehenden Pflicht für Neufahrzeuge ab 2024 auch eine Nachrüstpflicht für Fahrzeuge aus dem Bestand.

Kontakt: Konrad Krause, Tel. 0176 - 317 318 08

Den Antragstext finden Sie hier: https://edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx?dok_nr=8935&dok_art=Drs&leg_per=7&pos_dok=0&dok_id=undefined

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